Für Kämpfertypen
Sonja Scholten, Astrid Höfte und Maria Tietze in China

Sieben Bayer-Sitzvolleyballer*innen bei der WM in China

Mit viel Zuversicht starten die deutschen Sitzvolleyball-Nationalmannschaften mit sieben Akteur*innen des TSV Bayer 04 Leverkusen in die WM vom 10. bis 17. Juli in Hangzhou (China). Während die deutschen Herren erneut den Sprung unter die besten vier Nationen schaffen wollen, sehen die Frauen die WM als Standortbestimmung auf dem Weg zur EM 2027.


Die deutsche Männer-Nationalmannschaft mit Mathis Tigler, Stefan Hähnlein, Lukas Schiwy und Karl Kruber vom TSV Bayer 04 Leverkusen blickt auf zwei erfolgreiche Jahre zurück. Nach Platz vier bei den Paralympics 2024 in Paris musste das Team einen großen personellen Umbruch verarbeiten. Gleich mehrere langjährige Leistungsträger beendeten ihre Karriere, dafür rückten junge Spieler nach. „Wir haben das Team verjüngt und das hat sehr gut funktioniert“, sagt Bundestrainer Christoph Herzog. Bereits bei der EM 2025 zahlte sich dieser Schritt aus: Mit der neu formierten Mannschaft gewann Deutschland die Silbermedaille. „Wir sind zu einer Einheit zusammengewachsen“, berichtet Herzog. Jüngster Akteur ist der 16-jährige Kruber, der seine internationale Premiere feiert.

Die Vorbereitung auf die WM verlief intensiv. Seit Jahresbeginn wurde das Trainingspensum erhöht, hinzu kamen Lehrgänge und Turniere in Japan, den USA sowie zuletzt in den Niederlanden. „Wir kommen mit Selbstvertrauen zur WM, weil die Grundstimmung in der Mannschaft gerade grandios ist“, meint Herzog. Sein Team profitiere von einer großen Breite im Kader. „Wir haben nicht mehr nur eine feste erste Sechs, sondern können die Rollen im Spiel individueller verteilen als früher. Die Mischung aus Jung und Alt funktioniert hervorragend.“

In der Vorrunde treffen die deutschen Herren auf Gastgeber China, Thailand und Kanada. „Unser Ziel ist es, die Gruppe zu gewinnen“, sagt Herzog. Damit würde Deutschland einem schwierigen Achtelfinalgegner aus dem Weg gehen. Im Viertelfinale würde dann vermutlich Brasilien oder Kasachstan warten. „Wir wollen unter die besten Vier. Das muss unser Anspruch sein“, betont Herzog. Als Top-Favoriten auf den Titel sieht er Bosnien-Herzegowina, den Iran und Brasilien.

Kurz vor dem Turnierstart verlief allerdings nicht alles nach Plan. Die ursprünglich für Dienstag geplante Anreise verzögerte sich um einen Tag, weil der Flug von Peking nach Hangzhou gestrichen wurde. Sportlich ließen sich die Herren davon nicht aus der Ruhe bringen: Nach knappen Niederlagen in den Testspielen gegen Bosnien und den Iran folgte ein souveräner 3:0-Erfolg gegen den Irak. „Wir haben uns gut eingespielt. Das Turnier kann beginnen“, sagt Herzog.

Frauen: Schwere Vorrunde, aber großes Vertrauen in die Mannschaft

Für die Frauen mit den TSV-Spielerinnen Sonja Scholten, Maria Tietze und Astrid Höfte ist die Ausgangslage etwas komplizierter. Cheftrainer Norman Thomas muss auf drei Stammspielerinnen verzichten, die verletzungs- beziehungsweise schwangerschaftsbedingt fehlen. Gleichzeitig kehrten zwei Spielerinnen nach längerer Pause in den Kader zurück. Dennoch blickt er optimistisch auf das Turnier: „Die Stimmung ist super. Wir gehen realistisch an die Aufgabe heran, aber wir wollen unser Bestes geben und uns so teuer wie möglich verkaufen.“

Nach der knapp verpassten Qualifikation für die Paralympics 2024 und einem enttäuschenden fünften Platz bei der EM 2025 arbeitete die Mannschaft konzentriert an ihrer Weiterentwicklung. Gute Leistungen bei der Golden Nations League und internationalen Turnieren haben dem Team neues Selbstvertrauen gegeben. „Wir sind enger zusammengewachsen. Es spielt jetzt keine Rolle mehr, wer fehlt. Die Spielerinnen, die hier sind, müssen ihre Leistung bringen“, erklärt Thomas.

Die Aufgabe könnte allerdings schwieriger kaum sein: Deutschland trifft in der Vorrunde auf die Ukraine, die Niederlande und Top-Favorit USA. „Das ist die stärkste Gruppe des Turniers“, sagt Thomas. Ziel sei dennoch ein Platz unter den besten Acht der Welt. „Das ist möglich, aber dafür müssen wirklich alle an ihre Leistungsgrenze gehen. Wir können uns keine Ausfälle leisten.“

Die Stärke des deutschen Teams sieht er vor allem in ihrer Ausgeglichenheit: „Wir haben keine Spielerin, die alles allein entscheidet. Jede kennt ihre Aufgabe und muss ihren Teil beitragen.“ Für ihn gehören die USA, Brasilien und Gastgeber China zu den Anwärterinnen auf den Titel.

Die Bedingungen in Hangzhou beschreiben beide Trainer trotz hoher Temperaturen und Luftfeuchtigkeit als sehr gut. „Ich sehe keine Einschränkungen für uns“, sagt Herzog und Thomas ergänzt: „Es gibt keine negativen Auswirkungen auf das Sportliche.“

Zum WM-Auftakt treffen die deutschen Frauen am Freitag um 4 Uhr deutscher Zeit auf die Ukraine. Die Männer folgen um 9.30 Uhr deutscher Zeit mit ihrem ersten Gruppenspiel gegen Kanada.

Text: Monja Nagel / DBS


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