Für Kämpfertypen
Mathis Tigler am Netz (c) World ParaVolley

Rang 6 und 12 für Bayer-Sitzvolleyballer*innen bei WM

Mit unterschiedlichen Gefühlslagen sind die deutschen Mannschaften von den Sitzvolleyball-Weltmeisterschaften im chinesischen Hangzhou zurückgekehrt. Die Herren mit vier Spielern des TSV Bayer 04 Leverkusen wurden Sechster, die Frauen mit drei Leverkusenerinnen Zwölfte.


Deutschlands Herren mit Mathis Tigler, Lukas Schiwy, Stefan Hähnlein und Nachwuchstalent Karl Kruber sorgten bei dieser WM für einige Glanzlichter, mussten aber auch knappe Niederlagen einstecken, die eine bessere Platzierung verhinderten – so zum Abschluss im Spiel um Platz fünf gegen die USA. Deutschland lag bereits mit 0:2-Sätzen zurück, glich dann aus, unterlag jedoch im entscheidenden fünften Satz. „Da haben wir uns leider selbst geschlagen“, sagt Bundestrainer Christoph Herzog. Dafür gab es zuvor einen umjubelten 3:1-Erfolg im ersten Platzierungsspiel gegen Ägypten – und damit eine gelungene Revanche für die Niederlage im Bronze-Match bei den Paralympics in Paris vor zwei Jahren. Dass Deutschland diesmal das Halbfinale verpasste, lag an der 1:3-Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale. „Wir haben den ersten Satz verschlafen, waren dann aber zurück im Spiel und hätten im dritten Satz den Sack zumachen und in Führung gehen müssen“, resümiert Herzog. Stattdessen gewann Brasilien den Satz – und dann auch das Spiel. „Umso wichtiger war der Sieg gegen Ägypten und die Erkenntnis, dass wir sie in veränderter Besetzung bezwingen können“, berichtet der Bundestrainer.

Trotz des sechsten Ranges ist Christoph Herzog sehr zufrieden mit seiner Mannschaft und der Entwicklung. „Wir haben die erste Sechs massiv verändert und auch verjüngt. Mit Tom Wannenmacher und Tim Linke haben beispielsweise zwei junge Spieler viel Spielzeit bekommen“, sagt Herzog. Auch Karl Kruber – mit 16 Jahren mit Abstand jüngster Akteur im deutschen Aufgebot – feierte seine WM-Premiere und machte seine Sache gut. „Die Veränderung funktioniert, das ist ein gutes Zeichen. Diese Entwicklung freut uns alle. Die Stimmung im Team war super, das Miteinander gestärkt. Wir haben aber auch gemerkt, dass wir in den knappen Situationen noch zu oft an uns selbst gescheitert sind und zu viele eigene Fehler gemacht haben“, bilanziert Herzog und fügt an: „Unter den besten sieben Nationen der Welt sind wir die einzige, die den Sport nicht professionell betreibt.“

Die Tickets für die Paralympics in Los Angeles 2028 lösten bei der WM der Iran als Weltmeister und Finalist Bosnien-Herzegowina – und damit ein Team aus Europa. Davon könnte wiederum das deutsche Team profitieren, wenn es darum geht, bei den Europameisterschaften 2027 selbst die Qualifikation für die Spiele in den USA zu erreichen. Dann könnten auch die Leverkusener Dominik Albrecht und Magnus Fischer wieder mit an Bord sein, die die WM verletzungsbedingt verpassten. So oder so: Der eingeleitete Verjüngungsprozess wird fortgesetzt. Bundestrainer Herzog: „Wir haben durch den Umbruch nach den Paralympics eine gute Hierarchie entwickelt. Heiko Wiesenthal und Torben Schiewe sind die Taktgeber auf dem Feld, dazu kommen einige jüngere Spieler, die spürbar neue Energie ins Team bringen. Dieser Mix tut uns richtig gut.“

Damen: Mentale Blockaden lösen und als Team mehr zusammenwachsen

Eine Platzierung unter den besten acht Mannschaften der Welt war das angestrebte Ziel, Rang zwölf ist es am Ende geworden. Kein Wunder, dass die Enttäuschung bei den deutschen Sitzvolleyballerinnen mit den TSV-Athletinnen Sonja Scholten, Astrid Höfte und Maria Tietze groß war. Die abschließende Niederlage gegen Ruanda war sinnbildlich – 2:3 verlor das Team von Cheftrainer Norman Thomas und verpasste damit Platz elf. „Sportlich wäre mehr drin gewesen. Sowohl gegen Ruanda als auch in anderen Spielen. Ruanda hat aber alles gegeben, um jeden Ball gekämpft, eine absolute Willensleistung. Für uns bleibt die Erkenntnis, dass wir hart arbeiten und alle eine Schippe drauflegen müssen, wenn wir erfolgreicher abschneiden wollen“, sagt Thomas. Dass drei Stammspielerinnen gefehlt hätten, habe natürlich einen Einfluss gehabt und zudem die Wechseloptionen erschwert. „Das darf aber keine Ausrede sein. Auch mit dieser Besetzung wäre definitiv mehr drin gewesen als Platz zwölf“, stellt der Cheftrainer klar.

Die Knackpunkte seien bekannt und vor allem im mentalen Bereich zu finden. „Das ist die größte Stellschraube, daran werden wir auch weiterhin arbeiten, wenngleich das ein längerer Prozess ist“, erklärt Thomas. Wie schon bei vergangenen Turnieren starteten die deutschen Sitzvolleyballerinnen denkbar schlecht und unterlagen der Ukraine zum Auftakt mit 0:3. Gegen die späteren Weltmeisterinnen aus den USA verlor die Mannschaft erwartungsgemäß ebenso, präsentierte sich jedoch wie ausgewechselt und bot Paroli. Zum Abschluss gelang ein wichtiger Sieg gegen die Niederlande (3:2), doch der Iran stellte sich im Achtelfinale als zu starker Gegner heraus (0:3). „Da haben wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht, doch es fehlte an Cleverness und Mut. Zudem müssen wir einfach konstanter unsere Leistung abrufen“, betont Thomas. Ein Schlüssel zur Besserung: „Wir müssen als Team noch enger zusammenwachsen.“ So haben Deutschlands Sitzvolleyballerinnen einige Hausaufgaben zu bewältigen auf dem Weg zu einem besseren Abschneiden bei den Europameisterschaften im kommenden Jahr.

Text: Kevin Müller / DBS


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