Für Kämpfertypen
Karl-Heinz Düe (c) LSB NRW/Andrea Bowinkelmann

Düe ist Trainer des Jahres in NRW: „Kalle ist der Beste“

Große Ehre für Karl-Heinz Düe: Der Trainer der Para Leichtathleten des TSV Bayer 04 Leverkusen wurde bei der FELIX-Gala in Düsseldorf als Trainer des Jahres 2019 ausgezeichnet.


Fünf Mal Gold und ein Mal Silber bei den vergangenen Para Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Dubai hatten die Athleten des 70-Jährigen geholt, der seit 47 Jahren beim TSV Bayer 04 Leichtathleten trainiert. Seit 1992 zählen auch Parasportler zu seiner Trainingsgruppe und nach einer emotionalen Laudatio von Heinrich Popow, den Düe zum Paralympicssieger geformt hatte, kämpfte die Trainer-Legende sichtlich mit den Tränen.

„Natürlich freue ich mich. Es ist etwas ganz, ganz Besonderes. Eigentlich wollte ich hier nicht mehr stehen, weil ich ja schon seit Jahren pensioniert bin. Aber wie der Heinrich schon sagte: Die Athleten haben mich zurückgeholt“, sagte Düe, nachdem er auf die Bühne gekommen und den Felix-Award in Empfang genommen hatte.

Anders als bei den anderen Ehrungen konnte hier nicht das Publikum abstimmen. Ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger votierten für Düe, der unter anderem die Doppel-Weltmieister Irmgard Bensusan und Johannes Floors sowie Weitsprung-Weltmeister Léon Schäfer trainiert. Alle drei hatten in diesem Jahr nicht nur den WM-Titel geholt, sondern auch in ihren Disziplinen die Weltrekorde unterboten. Floors wurde Deutschlands Para Sportler des Jahres, Schäfer ebenso beim FELIX-Award in NRW und Bensusan Deutschlands Para Sportlerin des Jahres.

Popow wollte in der Laudation gar nicht auf die Erfolge eingehen, denn diese sprächen für sich: „Wäre er eine eigene Nation, dann hätte er bei den letzten Weltmeisterschaften die Top 10 der Nationenwertung erreicht.“ Ihm war viel wichtiger herauszustellen, dass Düe nicht unterscheidet: weder zwischen Amateur- und Profisportler, noch ob jemand behindert ist oder nicht. Inklusion sei für ihn Normalität. „Für mich ist es ganz normal, jeden Menschen gleich zu behandeln“, sagte Düe: „Ich kann doch nicht einen Menschen anders behandeln, weil er schneller läuft oder langsamer läuft oder weiter springt. Oder ihm fehlt ein Bein oder ein Knie, ist doch völlig egal – die Menschen sind doch die gleichen.“

Popow verriet auch, was Düe als Trainer noch auszeichnet: „Fördern und Fordern ist der Schlüssel seines Erfolgs. Ganz nach den Mottos „Programm ist Programm“ und „Geht nicht, gibts nicht“ übernimmt er die Verantwortung und gibt diese zum richtigen Zeitpunkt an seine Athleten weiter und stärkt somit deren Persönlichkeit. Ich habe gelernt, dass Leidenschaft von Leiden kommt und er schafft es, in dem größten Leid und vielleicht in dem größten Schicksal eines Menschen, die höchste Leistung rauszuholen.“

Als dann auch noch Floors und Schäfer von Moderatorin Anke Feller befragt wurden, erhob sich der ganze Saal für Düe. Viele hatten Tränen in den Augen, andere sprachen von einem der emotionalsten Momente in der Geschichte des FELIX. „Kalle ist die Person, die ich am meisten sehe im Jahr, ist eine Bezugsperson, ein Mentor, irgendwo auch eine Vaterfigur“, sagte Floors, der sich unter Düe zum schnellsten Sprinter der Welt auf Prothesen entwickelte, dann stockte ihm der Atem: „Ich kenne keinen Trainer, der es mehr verdient hätte, hier zu stehen.“

Schäfer, der in dieser Saison den Weitsprung-Weltrekord von Popow übernommen hatte und zudem WM-Silber über 100 Meter gewann, sagte: „Er gibt mir Kraft, er beruhigt mich vor meinen wichtigen Wettkämpfen. Wenn ich sehe Kalle ist an der Seite, nickt mir nur kurz zu, dann weiß ich: Okay, es ist alles okay, ich bin ready. Kalle ist einzigartig auf jeden Fall und wie Johannes auch schon gesagt hat, für mich auch eine gewisse Vaterfigur. Er macht das, was er macht, mit Herz. Kalle ist der Beste.“

Nachdem Düe schon nach den Paralympics 2016 seiner Frau zuliebe kürzer treten wollte, wird er nun bis Tokio 2020 Trainer sein. Oder noch länger? Nachdem Popow in der Laudatio aufgefordert hatte, Düe zum Weitermachen zu bewegen, sagte der am Ende mit einem schelmischen Grinsen, dass das „schwere Verhandlungen“ zu Hause geben dürfte: „Irgendwann muss man nein sagen und es endet dann, ich glaube, das ist dann ein guter Abschluss.“

In den kommenden Tagen werden seine Athleten ihn an einem Tag nicht sehen. „Es gibt einen freien Tag im Jahr und das ist der 1. Januar“, reimte Düe. Alle anderen Tage im Jahr kommt er mit guter Laune pfeifend in die Halle und geht pfeifend wieder raus: „Weil mir der Beruf so viel Spaß macht, das ist das Entscheidende.“

Die Laudation von Heinrich Popow für Karl-Heinz Düe im Wortlaut

„Bitte verzeihen Sie es mir, wenn ich aufgrund der Kürze der Zeit nicht auf die sportlichen Erfolge des Trainers eingehen kann, denn diese sprechen für sich. Wäre er eine eigene Nation, dann hätte er bei den letzten Weltmeisterschaften die Top 10 der Nationenwertung erreicht.

Mir ist es sehr wichtig, seine Menschlichkeit herauszustellen. Wie er mit seinen Athletinnen und Athleten umgeht, ist einzigartig. Er unterscheidet nicht. Ende der 80er-Jahre hat er schon angefangen, olympische und paralympische Sportler zusammen trainieren zu lassen. Inklusion ist für ihn Normalität. Ich trainiere Leichtathleten – schluss, aus, basta. Er unterscheidet auch nicht zwischen Profisportlern und Amateursportlern. Jeder Mensch hat die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Respekt verdient. Fördern und Fordern ist der Schlüssel seines Erfolgs.

Ganz nach den Mottos „Programm ist Programm“ und „Geht nicht, gibts nicht“ übernimmt er die Verantwortung und gibt diese zum richtigen Zeitpunkt an seine Athleten weiter und stärkt somit deren Persönlichkeit. Ich habe gelernt, dass Leidenschaft von Leiden kommt und er schafft es, in dem größten Leid und vielleicht in dem größten Schicksal eines Menschen, die höchste Leistung rauszuholen.

Und bevor ich zum Ende meiner Laudatio komme, habe ich einen ganz besonderen Wunsch: Jeder Mensch, jeder, der irgendwie einen Einfluss auf ihn hat, sollte dafür sorgen, dass er so lange wie möglich noch Trainer bleibt. Seine Athleten haben mir bei der letzten Weltmeisterschaft gesagt: Was soll ich machen, wenn er nicht mehr da ist? Seine Athletinnen und Athleten brauchen ihn, wir brauchen ihn, Deutschland braucht Trainer wie ihn.“

Zum Beitrag des WDR (ab Minute 27:30): https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/video-nrw-sportler-des-jahres-104.html


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