Faszientraining

Das Thema Faszientraining wird immer populärer. Das Training verspricht viel – mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen und einen rundum fitteren Körper. Während man früher den Faszien keine wichtige Bedeutung zugemessen hat, setzt sich seit einigen Jahren nun aber zunehmend eine neue Sichtweise auf das Thema durch. Wie bei neuen Betrachtungsweisen üblich, gibt es unterschiedlichste Fachmeinungen zu dem Thema und einige Aspekte sind bisher wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.


Aus der neuen Sichtweise hat sich in der Folge eine neue Herangehensweise an das Thema etabliert. Die Berücksichtigung von Faszien hat in Sport, Regeneration und Therapie einen wichtigen Stellenwert erhalten. Häufig setzt man das Faszien Training mit Faszien rollen gleich, es gibt aber auch andere Ansätze, wie man Faszien trainieren kann.
Doch was sind eigentlich Faszien? Abgeleitet von lateinisch „fascia“ (Binde, Band, Bandage), bezeichnet der Begriff so viel wie das Bindegewebe. Am einfachsten stellt man sich die Faszie als eine dünne bindegewebige „weiße Hülle“ vor, die die Muskulatur umgibt. Genauso, wie man das auch von gekauftem Metzgerei-Fleisch kennt. Die Faszien oder besser gesagt das Faszien System zieht sich von Kopf bis Fuß durch den gesamten Körper und unterstützt jeden Muskel, jedes Organ und jeden Knochen. Man kann sich das Faszien System wie ein Spinnennetz vorstellen. Dieses Netz verbindet die Zellen, umschließt sie mit Festigkeit und überträgt Kräfte im Bewegungsapparat. Faszien bestehen aus Kollagen und sind Teil des passiven Bewegungsapparates. Weiter enthalten Faszien sehr viel mehr Bewegungssensoren und Schmerzrezeptoren, als sich in den Muskeln und den Gelenken finden lassen. Das macht das Bindegewebe zum größten Sinnesorgan des Menschen. Es ist eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden und sendet unablässig Signale ins Gehirn.
Ungünstige Bewegungsmuster, zu viel oder zu wenig Belastung, die Ernährung und das Alter an sich haben einen Einfluss auf die Faszien und können dafür sorgen, dass diese verkleben. Dauerstress und Schlafmangel bringen den Hormonhaushalt durcheinander. Es werden vermehrt Stresshormone freigesetzt, die deine Faszien unter Dauerspannung setzen. Eine Übersäuerung deines Körpers, durch eine falsche Ernährung, kann deine Faszien ebenfalls stark beeinträchtigen. Dass Faszien verkleben können, ist also kein Mythos. Es ist sogar ein Thema, welches mehr Gewichtung verdient, als es bisher bekommt. Verklebte Faszien sind nicht nur schmerzhaft, sondern führen zu Verspannungen und einem erhöhten Verletzungsrisiko. Häufig allerdings spüren Patienten die Schmerzen nicht an der Stelle, an der das Bindegewebe beschädigt oder verletzt ist. Die Netzstruktur des Faszien Gewebes bedingt, dass die Schmerzen sich an einer Stelle, in einem ganz anderen Bereich bemerkbar machen. Laborexperimente des Ulmer Faszien Forschers Robert Schleip zeigen, dass Faszien negativ auf Stress reagieren. Träufelte er das Stresshormon Cortisol auf isoliertes Bindegewebe, zogen sich die Fasern zusammen. Vielleicht wirken Entspannungsübungen, u.a. bei chronischen Rückenschmerzen deshalb so gut.
Cellulite, Dellen oder Orangenhaut entstehen durch das Zusammenwirken von genetischen Voraussetzungen, schwachem Bindegewebe und Fetteinlagerungen. Aber warum haben Frauen mehr Cellulite als Männer? Das liegt an dem Aufbau der Faszien. Bei Männern verlaufen die Faszien kreuzartig, bei Frauen hingegen säulenartig und parallel. Die säulenartige Struktur macht das Bindegewebe von Frauen anfälliger für Cellulite. Fettzellen können sich durch das säulenartige Konstrukt nach oben drücken. Beulen und Dellen entstehen. Durch gezieltes Training wird dein Bindegewebe stimuliert.
Faszien passen sich Belastungen und Reizen an. Sie können auf verschiedene Arten trainiert und dadurch Verklebungen und Verhärtung gelöst werden. Das Training des Bindegewebes braucht Zeit. Es braucht länger, als deine Muskeln, um sich an Belastungsreize anzupassen. Bindegewebsfasern werden ausgetauscht und die Struktur deines Faszien Netzes wieder neu aufgebaut. Dieser Prozess kann bis zu mehreren Monaten dauern. Besonders gut eignen sich Dehnübungen, federnde Bewegungen, Massagen, Faszienrollen, Faszien Yoga und Pilates.
Führe ein langkettiges und dynamisches Dehnen durch, was bedeutet, dass man nicht nur einen Muskel, sondern eine Gruppe von Muskeln dehnt. Während der Dehnung führst du leichte schwingende Bewegungen aus. Die Faszien bleiben geschmeidig und elastisch. Federnde Bewegungen, wie lockeres hüpfen und springen, trainieren deine Faszien. So regst du deine Kollagenproduktion an und stärkst damit dein Bindegewebe. Massagen, z.B. mit einer Faszien Rolle können ebenfalls unterstützend wirken. Durch die Selbstmassage werden die Zellen in deinem Bindegewebe stimuliert und die Durchblutung angeregt. Die Rolle bewirkt dabei einen „Schwamm-Effekt“. Dadurch findet ein Flüssigkeitsaustausch in deinem Bindegewebe statt. Man erhofft sich somit verklebte Faszien oder verklebte Muskeln geschmeidiger zu machen oder die Faszien zu trainieren. Das Faszientraining mit dem Tennisball, der Rolle oder einem anderen Körper dient, simpel ausgedrückt, nur den Zwecken der Massage. Von Training sollte eigentlich nicht die Rede sein. Die Übungen mit der Faszien Rolle sollten daher eher in die Kategorie „passive Behandlungsmethoden“ eingeordnet werden.
Tipp: Das Training mit einer Faszienrolle, kann sehr schmerzhaft sein. Starte mit einer weicheren Rolle, gehe nicht über deinen Schmerzpunkt hinaus und lass dich am besten in die richtige Technik einweisen. Menschen mit Krampfadern sollten auf das "ausrollen" komplett verzichten.
Einfluss der Ernährung
Das beste Ergebnis bekommst du, wenn deine Nährstoffversorgung mit deinem Trainingsziel übereinstimmt. Die falsche Ernährung kann zu einer Übersäuerung deines Körpers und der Faszien führen. Iss verstärkt basische Lebensmittel. Diese unterstützen die Regeneration deines Bindegewebes und gleichen deinen Säure-Basen-Haushalt aus. Geeignet sind beispielsweise Salat, Gemüse, Obst, Kokosnüsse, Kräutertees. Führe ausreichend Mikronährstoffe zu dir, wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Trinke 2-3 Liter Wasser am Tag.Dein Bindegewebe besteht bis zu 75 % aus Wasser.  Versorge deinen Körper mit komplexen Kohlenhydraten, gesunden Fetten und ausreichend Proteinen.
Faszientraining ersetzt kein vielseitiges und ausgeglichenes Training. Dennoch kann es als gute Unterstützung zur Verbesserung der Beweglichkeit, in der Regeneration oder zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden dienen. Probier doch einfach mal aus, ob es dir und deiner Muskulatur guttut! Dein Faszientraining kannst du innerhalb weniger Minuten erledigen.

 Katharina Pokrant


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