Für Wissbegierige

| Basketball

"Wir wollen die Playoffs erreichen!"

Interview mit Jacques Schneider, NBBL-Headcoach und Co-Trainer der BAYER GIANTS in der BARMER 2. Basketball Bundesliga.


Wir sprachen mit dem gebürtigen Bonner über die ersten zehn Begegnungen der Saison 2020/21, die Neuzugänge der Rheinländer und vieles mehr.

Frage: Jacques, zehn Spiele sind absolviert und mit einer Bilanz von fünf Siegen und ebenso vielen Niederlagen in der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProA 2020/21 seid ihr auf Kurs in Richtung "Playoffs". Wie zufrieden bist du mit der Leistung der Spieler?

Jacques Schneider: In unserem leistungsorientierten Umfeld ist man grundsätzlich nie hundertprozentig zufrieden mit den Leistungen, die man erbracht hat. Das ist auch richtig, um immer ein Ziel vor Augen zu haben und weiter hart zu arbeiten. Von daher gibt es schon zwei, drei Punkte, die wir in den ersten zehn Partien hätten besser machen können. Gerade die Niederlagen in Kirchheim, Schwenningen und Karlsruhe haben arg weh getan. Dennoch: Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, dass unsere Mannschaft nach zehn Spielen eine Bilanz von fünf Siegen und ebenso vielen Niederlagen vorzuweisen hat, wäre ich damit grundsätzlich einverstanden gewesen. Was mich für die Zukunft optimistisch macht ist, dass wir Top-Teams wie Heidelberg oder Bremerhaven bezwingen konnten. Das beweist, wie viel Qualität in unserem Kader steckt.

Dass die Spielzeit keine normale werden würde, musstet ihr schon in der Vorbereitung aufgrund eines falsch-positiven Corona-Test feststellen. Wie hast du die letzten vier Monate mit all den "Up and Downs" erlebt?

In dieser Saison muss man sehr flexibel sein. Der Spielplan ändert sich aufgrund der Pandemie bei den Vereinen recht schnell. Es heißt also in der Woche so professionell und hart im Training zu arbeiten, wie es eben möglich ist. Dabei ist vor allem wichtig, konzentriert zu bleiben. Der Fokus muss permanent auf die nächste Begegnung gerichtet sein. Wir als BAYER GIANTS wollen unseren Teil zu einer möglichst reibungslosen Saison beitragen. Wir halten uns an das gute Hygienekonzept des Vereins beziehungsweise des Sportpark Leverkusen in der Ostermann-Arena. Ebenfalls haben wir uns sehr darüber gefreut, dass die 2. Basketball Bundesliga in Form von verpflichtenden Schnelltests noch einmal nachjustiert hat um die Spieler bestmöglich zu schützen.

Auch in die Zeit der Vorbereitung fällt der Abgang von Padiet Wang. Auch wenn es natürlich zum Geschäft gehört, aber wie schwer fällt es dir als Teil des Trainerstabs solche Entscheidungen mitzutreffen?

Die Entscheidung einer Spielertrennung fällt immer der Headcoach. Dabei hat Hansi mich einbezogen und wir haben gemeinsam über den Vorgang diskutiert. Die ProA ist in dieser Saison unfassbar stark und wir wollen mit einem guten Team spielen. Die Position des Point Guard ist dabei einer der wichtigen Puzzleteile, welcher über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Schlussendlich war es so, dass Padiet leider nicht überzeugen konnte, sodass wie eine Entscheidung auf professioneller Ebene treffen mussten. Menschlich ist das natürlich sehr schade, aber so etwas gehört nun einmal zum Sport dazu und für den Trainerstab gilt es, den bestmöglichen Erfolg im Sinne der BAYER GIANTS einzufahren.

Wie bewertest du die Neuzugänge im Kader? Wie haben sich die Jungs bis hierhin entwickelt?

Wenn man mit dem Saisonverlauf grundsätzlich zufrieden ist, kann man das auch mit den Neuzugängen sein. Haris Hujic und J.J. Mann haben sind auf Anhieb unserer Topscorer geworden. Marko Bacak war in den beiden letzten Partien gegen Trier und Bremerhaven ein ganz wichtiger Faktor für den Sieg. Es ist auf den Statistikbögen vielleicht nicht gleich zu erkennen, aber Marko hat uns in der Verteidigung sehr viel gegeben. Grant Dressler steigert sich von Woche zu Woche und ich glaube, dass er noch sehr viel mehr kann, als wir bisher gesehen haben. Er hat sein Können öfters aufblitzen lassen, es fehlt noch die Konstanz in seinen Leistungen. Genau das gleiche gilt für Wyatt Lohaus, der aus der ProB gekommen ist und sich dem Niveau in der ProA erst einmal anpassen muss. Man darf bei ihm nicht vergessen, dass er große Teile der Saisonvorbereitung verpasst hat, da er relativ spät zur Mannschaft gestoßen ist. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit unseren Verpflichtungen. Das Team ist recht jung und wir haben das Potenzial uns weiter zu steigern.

Nun seid ihr Zuhause ganz gut in die Saison gekommen. Von vier Heimspielen konntet ihr drei gewinnen und habt einmal mehr eure Stärke in eigener Halle bewiesen. Wieso spielt ihr in der Rundsporthalle so stark auf?

Es ist einfach unsere Halle, in der wir uns sehr wohlfühlen. Wir kennen die Körbe, das Parkett…es sind die gewohnten Abläufe, welche uns zusätzliche Sicherheit geben. Des Weiteren fallen stressige Dinge wie eine lange Busfahrt komplett weg. Jetzt fehlen nur noch unsere tollen Fans in der Arena.

Wie nimmst du die Atmosphäre in der Ostermann-Arena so ganz ohne Fans wahr? Schließlich war es immer der Support von den Rängen, der die Mannschaft unglaublich gepusht hat...

Kurz vor dem Spielereinlauf schließe ich kurz die Augen und denke an die tollen Momente mit den Zuschauern in der Rundsporthalle zurück. Momente, wie das ProB-Finale gegen Münster mit 2.600 Menschen in der Arena oder unsere ProA-Saison 2019/20 als durchschnittlich 1.000 Zuschauer zu den Partien der GIANTS kamen. Das bereitet mir eine Gänsehaut. Unsere Fans haben in den vergangenen Jahren immer wieder für stimmungsvolle Heimspiele gesorgt und uns so gepusht. Die Atmosphäre jetzt mit der vor zwölf Monaten ist nicht zu vergleichen. Es ist momentan sehr ruhig, die Trainer können viel größeren Einfluss auf die Begegnung nehmen. Das hat zwar auch seine Vorteile, aber ich freue mich wieder auf den Tag, wenn die Ostermann-Arena mit hoffentlich vielen Menschen gefüllt ist. Ich weiß es mehr als denn je zu schätzen, wie wichtig Fans für diese tolle emotionale Sportart sind.

In Trier hat es mit dem ersten Auswärtserfolg in der Saison funktioniert. Was macht dich optimistisch, dass wir auch in den kommenden Wochen weitere Siege in der Fremde zu sehen bekommen?

Das Spiel gegen Trier war für uns immens wichtig, wir haben uns sehr akribisch auf die Gladiators vorbereitet. Die Jungs waren an diesem Tag in einer mental guten Verfassung und haben wirklich alles gegeben. Das gesamte Team war fokussiert und genauso muss man Auswärtsbegegnungen angehen. Das wird auch das Credo für die Zukunft sein. Wir haben aus unseren Niederlagen in fremder Halle gelernt und wissen nun, wie wir es machen müssen. Natürlich werden wir nicht jedes Auswärtsspiel gewinnen, aber so krasse Leistungsschwankungen wie bisher wird es hoffentlich nicht mehr geben.

Was können die Fans der "Giganten" noch von der Mannschaft erwarten? Wo soll es hingehen?

Die BAYER GIANTS 2020/21 sind sehr jung und verfügen über eine hohes Entwicklungspotenzial. Wir dürfen nicht vergessen, dass mit Lennard Winter ein wichtiger Spieler aktuell ausfällt, da er an einer Fußverletzung laboriert. Er wird die Jungs mit seinen Fähigkeiten zusätzlich bereichern. Es ist notwendig, dass das Trainerteam, die Verantwortlichen und Fans Geduld mit den jungen Spielern haben. Viele sind neu in Leverkusen, andere stehen gerade am Anfang ihrer Karriere. Diese Beharrlichkeit wird sich am Ende auszahlen. Wir wollen die Playoffs erreichen und alle in der ersten Mannschaft wissen, dass wir dafür zulegen müssen. Das traue ich uns aber ohne Weiteres zu!

Jacques, was wünschst du dir sportlich für das Jahr 2021?

Mein größter Wunsch ist einer auf gesellschaftlicher Ebene. Ich wünsche mir, dass die Corona-Pandemie so gut es geht eingedämmt wird. Es muss das Ziel sein, dass möglichst wenig Menschen an diesem Virus erkranken oder gar sterben. Das ist sehr viel wichtiger als der Basketball. Was den sportlichen Bereich anbelangt, möchten wir alles dafür tun, dass unsere Fans zufrieden mit unserer Leistung sind. Daran arbeiten wir mit größter Sorgfalt und Beständigkeit. In der ProA möchten wir auch die Topteams ärgern und am Ende in die Playoffs einziehen. Für den gesamten Verein erhoffe ich mir finanzielle Stabilität in diesen schwierigen Zeiten.

Christopher Kwiotek

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