Für Wissbegierige
Torben Blech überspringt nach langer coronabedingter Pause 5,60m. Foto: Harald Koken
Torben Blech überspringt nach langer coronabedingter Pause 5,60m. Foto: Harald Koken

Torben Blech überfliegt in heimischer Halle 5,60 m

Im Rahmen einer Stabhochsprung-Leistungsdiagnostik unter Wettkampf ähnlichen Bedingungen hat Torben Blech am Samstag in der Leverkusener Halle 5,60 Meter bewältigt.


Sechs Tage vor der PSD Bank Flight Night im Autokino Düsseldorf war der Test auch für andere Springer ein sportlicher Neubeginn nach dem Corona-Lockdown.

Der wochenlange kalte Entzug ist vorbei. Deutschlands Stabhochsprung-Asse kommen allmählich wieder auf Betriebstemperatur. Nach zwangsweise reduziertem Training und ungewöhnlich langer Wettkampf-Abstinenz war der Test - unter Berücksichtigung von Abstands- und Hygieneregeln - insbesondere für Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen) eine gelungene Standortbestimmung. Der 25-Jährige übersprang 5,60 Meter. Erst an 5,65 Metern versuchte er sich (noch) vergeblich.

„Torben hat heute zwei oder drei sehr schöne Sprünge gezeigt, aber auch einige gruselige. Es gilt jetzt, das Gruselige rauszukriegen und das Positive zu verstärken. Das Timing passt noch nicht richtig und der Umgang mit der Geschwindigkeit aus dem langen Anlauf“, konstatierte Trainerin Christine Adams. „Das war heute ein Unterschied zum normalen Training, weil die Spannung einfach anders ist.“

Saisonplanung als Herausforderung

Torben Blech zeigte sich froh darüber, dass es allmählich wieder losgeht. „Der Heckmeck um Corona war extrem, eine komische Situation, fernab jeglicher Vorstellungskraft. Wir waren in Südafrika, wollten schön trainieren, wiederkommen und Wettkämpfe bestreiten und uns auf Tokio vorbereiten. Dann wurde ein kompletter Strich durch unsere Rechnung gemacht“, sagte der Ex-Zehnkämpfer. „Nichtsdestotrotz haben wir sehr gut trainiert. Es war einfach eine neue Erfahrung, sich anderweitig fit halten zu müssen.“

Sein Trainingspartner Bo Kanda Lita Baehre hievte sich über 5,50 Meter, musste aber bei 5,60 Metern passen. „Er ist heute erstmals in diesem Jahr aus 16 Schritten gesprungen und hatte große Probleme beim Abstimmen des Anlaufes. Das Timing stimmt noch nicht. Er wird am Ende langsamer“, analysierte Christine Adams. „Er braucht aber auch den Wettkampfdruck, das Gefühl gegen andere anzutreten. Er kann mehr, aber muss natürlich sehen, dass er das, was er kann, in die Übung reinkriegt. Da fehlt einfach Sprungerfahrung.“

Zweitbeste Höhe, aber Vierter

Mit gemischten Gefühlen blickt der WM-Vierte auf den Corona-Lockdown zurück. „Jeden Tag gab es neue Nachrichten. Erst hieß es, dass Olympia nicht stattfindet. Dann kam die Nachricht, dass die Spiele unter gewissen Bedingungen doch ausgetragen werden. Man konnte sich auf nichts richtig einstellen. Man konnte nur von einem Tag zum anderen, von Woche zu Woche so gut es ging trainieren und schauen, wie es weitergeht“, so Bo Kanda Lita Baehre.

In der Tageswertung belegte er „nur“ den vierten Platz. Denn es war vereinbart worden, dass die Höhen der drei besten Sprünge addiert werden. Er hatte aber lediglich zwei gültige Versuche und kam auf 10,40 Meter, Sieger Torben Blech auf 16,40 Meter. Karsten Dilla schaffte in der Gesamtwertung mit 15,70 Metern den zweiten Platz. Sein bester Sprung: 5,25 Meter. Diese Höhe bewältigte auch Philip Kass (alle TSV Bayer 04 Leverkusen), der mit 15,55 Metern in der Gesamtwertung Dritter wurde.

Kein offizieller Wettkampf

Es war kein offizieller Wettkampf. Die Ergebnisse werden in keiner Statistik auftauchen. Zuschauer durften nicht in die Halle - eine von vielen Auflagen, die neben strengen Hygienevorschriften zur Vermeidung von Corona-Infektionen zu erfüllen waren. Vor Beginn des Aufwärmens noch laufende Trainingsstunden wurden beendet. Während der Diagnostik befanden sich nicht einmal 20 Personen in der Halle.

Ebenfalls steril, aber alles andere als emotions- und stimmungslos soll es beim nächsten Formtest der Stabhochspringer zugehen. Er folgt am Freitag (12. Juni) im Autokino Düsseldorf - ein wettkampfnahes Event vor in ihren Fahrzeugen sitzenden Zuschauern. „Das ist einmalig auf der Welt. Das wird es wahrscheinlich nicht noch einmal geben. Ich glaube, dass es eine Superatmosphäre wird, auch wenn natürlich ungewohnt“, kommentierte Torben Blech.

Für Bo Kanda Lita Baehre steht die PSD Bank Flight Night unter besonderen Vorzeichen. „Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen, bin immer noch sehr oft da, meine Familie lebt dort. Das spornt mich besonders an“, so der Quasi-Lokalmatador, der dann auch auf Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) trifft. Der Weltmeister von 2013 hatte den Test in Leverkusen kurzfristig abgesagt. „Er hat in der letzten Woche viele Sprünge aus 16 Schritten Anlauf absolviert. Deshalb hat sich eine gewisse Müdigkeit breitgemacht“, erklärte Heim- und Bundestrainer Andrei Tivontchik.

Harald Koken

 


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