Für Wissbegierige
Johannes Floors hat auch über die 400 Meter mit Weltrekord Gold gewonnen. Foto: Binh Truong
Johannes Floors hat auch über die 400 Meter mit Weltrekord Gold gewonnen. Foto: Binh Truong

Floors gewinnt über 400 Meter das zweite WM-Gold

Johannes Floors ist nach dem Weltrekord über 400 Meter Doppel-Weltmeister, Léon Schäfer gewinnt über 100 Meter Silber, TSV-Athleten gewinnen insgesamt 8 Medaillen.


Johannes Floors war ins Ziel gesprintet und hatte die Arme hochgerissen: 45,78 Sekunden hatte die Uhr für ihn angezeigt – Gold über 400 Meter, das war schon angesichts der Vorleistungen der Konkurrenten in der Klasse T62 fast klar. Doch die Zeit war für ihn wichtig, seinen Weltrekord, den das Internationale Paralympische Komitee nach einem Jahr mit der neuen Höhenregelung für beidseitig unterschenkelamputierte Sprinter als Rekordmarke festgelegt hatte, verbesserte er um exakt eine Sekunde: „Nach 250 Metern kam der Hammer, dann galt es, zu kämpfen und zu beißen. Irgendwann hat der Stadionsprecher runtergezählt: 3, 2, 1… Ich konnte es gar nicht einordnen, aber so viel Zeit blieb mir noch. Es war ein geiles Gefühl, ins Ziel zu kommen und die fünf vor dem Komma zu sehen.“

Der Doppel-Weltmeister besitzt nun auch die Weltrekorde über beide paralympischen Strecken: Die 100 und 400 Meter. Auch wenn der 24-Jährige sich dieses Jahr auf die 100 Meter konzentriert hatte, die er in 10,54 Sekunden gewinnen konnte, habe er „die ganzen Jahre lang nur Kilometer geschrubbt für die 400 Meter. Diese Ausdauer darf man nicht vergessen und heute war viel Wille dabei. Es ist ein geiles Gefühl zu wissen, du bist der Schnellste – auf keinem Bein, auf einem Bein.“

Einen Start bei Olympischen Spielen schloss Floors aber aus: „Aktuell haben meine eigenen Zeiten noch Vorrang und die Paralympischen Spiele, weil wir da andere Werte vertreten und mit denen bin ich auch in den Sport gekommen und vertrete die auch“, sagte der Leverkusener, der aber einen Traum verriet: „Das heute war noch nicht das Ende, von einer 44er-Zeit träumt jeder 400-Meter-Sprinter und es ist nicht vermessen zu sagen, ich wünsche mir die auch.“

Floors Leverkusener Teamkollege Léon Schäfer startete stark über 100 Meter der Klasse T63, wurde aber auf der Ziellinie noch abgefangen und verpasste Gold um zwei Hundertstel. 12,34 Sekunden bei windstillen Verhältnissen bedeuteten Silber, Gold ging an den Dänen Daniel Wagner, Bronze an Weltrekordhalter Vinicius Goncalves Rodrigues. „Ich habe ein sehr, sehr gutes Rennen gemacht und war bis 75, 80 Meter vorne vom Gefühl her, ich bin gut aus dem Block gekommen und kann nicht so richtig sagen, woran es gelegen hat, dass der Däne mich noch geholt hat, das hat mich ein bisschen geärgert“, sagte der Weitsprung-Weltrekordhalter, der in seiner Paradedisziplin schon Gold geholt hatte: „Aber dennoch bin ich mega happy mit meinen Ergebnissen bei der WM.“
Nachdem der 22-Jährige im vergangenen Jahr die EM in Berlin verpasst hatte, war er diese Saison verletzungsfrei geblieben – und richtete mit Blick auf die Paralympics in Tokio im kommenden Jahr direkt eine Kampfansage an die Konkurrenz: „Wenn ich offen und ehrlich bin und durch das Jahr noch mal so durchkomme, dann gibt es im Weitsprung und auch im Sprint keine Chance mehr für die anderen.“

Bundestrainerin Marion Peters: „Wir haben Weltklasse-Athleten wie Markus Rehm, Johannes Floors, Léon Schäfer und Irmgard Bensusan, die Strahlkraft auf die ganze Mannschaft haben. Man kann nur Weltklasse sein, wenn man diese Athleten an einem Stützpunkt sammelt, an dem die Bedingungen optimal sind, Trainer die Athleten in zwei Einheiten am Tag trainieren und die Versorgung auch vor Ort ist, wie es zum Beispiel in Leverkusen der Fall ist."

Die Para-Sportler des TSV Bayer 04 haben bei der WM in Dubai insgesamt 8 Medaillen gewonnen:
Gold: Johannes Floors (100m/400m), Irmgard Bensusan (100m/200m), Markus Rehm (Weitsprung), Leon Schäfer (Weitsprung)
Silber: Léon Schäfer (100m)
Bronze: Felix Streng (100m)

Das Fazit von Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensport-Abteilung beim TSV Bayer 04, fällt entsprechend positiv aus: "Unsere Athleten haben in Dubai alle Erwartungen übertroffen, obwohl das Niveau in der Spitze unglaublich war. Mein besonderer Dank gilt unseren Trainern um Karl- Heinz Düe, die die Athleten wieder einmal auf den Punkt vorbereitet haben."

Quelle: DBS


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