Ehrenmitglied Markus Rehm: Vorbild als Mensch und Weltklasse-Athlet
Wenn Markus Rehm Anlauf nimmt, scheint für einen Moment alles stillzustehen. Dann hebt er ab – kraftvoll, präzise, scheinbar schwerelos. Seine Sprünge sind spektakulär, seine Erfolge historisch. Doch wer ihn kennt, weiß: Die wahre Größe dieses Athleten lässt sich nicht in Metern messen. Für seine Verdienste um den Parasport, und damit natürlich auch für seine unzähligen Erfolge und Medaillen, wurde dem Para-Leichtathleten während der Mitgliederversammlung die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Markus Rehm ist einer der erfolgreichsten Para-Leichtathleten weltweit. Der Weitspringer wurde zwischen London 2012 und Paris 2024 insgesamt fünfmal Paralympics-Sieger, viermal hintereinander im Weitsprung, einmal in der Sprintstaffel. Hinzu kommen zehn Weltmeistertitel und sechs Europameistertitel. Seit 2011 ist Rehm auf internationaler Bühne ungeschlagen, mit einer Weite von 8,72 Metern hält er zudem den Weltrekord in seiner Startklasse T64. Mehr als eng verbunden mit diesen Erfolgen ist Steffi Nerius, die jahrelang als Rehms Trainerin von seiner Seite nicht wegzudenken war – bis beide im Herbst vergangenen Jahres die Entscheidung getroffen haben, dass doch Schluss sein sollte. Nach einer bis dahin schon beispiellosen Karriere voller Erfolge, Medaillen und Rekorde.
Doch all diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
„Deine wahre Stärke liegt woanders – man kann sie nicht messen“
Laudator Heinrich Popow, selbst zweifacher Paralympics-Sieger und früherer Trainingskollege von Rehm, findet Worte, die tiefer gehen. Er weiß, wovon er spricht, wenn er über Leistung, Druck und Erfolg redet. Und doch hebt er bei Markus Rehm etwas anderes hervor: „Sportlich bist du unglaublich erfolgreich – aber deine wahre Stärke liegt woanders. Die kann man nicht messen.“
Es ist diese Haltung, die Rehm auszeichnet: Bodenständig geblieben trotz einer Karriere an der Weltspitze. Markus Rehm hat nie vergessen, wo er herkommt. Nach einem Wakeboard-Unfall verlor er im Alter von 14 Jahren seinen rechten Unterschenkel – ein Einschnitt, der sein Leben veränderte, aber nicht seinen Willen.
Heute ist er nicht nur Spitzensportler, sondern auch Orthopädietechnikermeister – ein Beruf, den er aus persönlicher Erfahrung heraus gewählt hat. Er baut seine eigenen Sportprothesen mit und begleitet andere Menschen auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Rehm ist kein lauter Star. Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt – und auch das macht ihn so besonders. „Du bist ein Vorbild, ohne dich zu inszenieren. Du nimmst Einfluss, ohne laut zu sein“, formulierte Heinrich Popow. Sein Wirken entsteht durch Haltung, nicht durch Inszenierung. Durch Konstanz, nicht durch gewollte Schlagzeilen.
Die Verbindung zwischen Markus Rehm und Heinrich Popow geht über den Sport hinaus. Beide teilen die Leidenschaft für Prothesentechnik – und wissen zugleich, was wirklich zählt: „Am Ende ist es nicht die Prothese, die springt. Das bist du.“
Markus Rehm ist längst mehr als ein Athlet. Er ist ein Gesicht des Sports, ein Impulsgeber für gesellschaftliche Teilhabe und ein Vorreiter gelebter Inklusion. Es ist kein Zufall, dass Markus Rehm als erster Athlet überhaupt Fackelträger sowohl bei den Sommer- als auch Winterparalympics war. Auch die Rolle als Botschafter für die Olympia- und Paralympics-Bewerbung KölnRheinRuhr ist ihm wie auf den Leib geschnitten. Heinrich Popow: „Du bist ein wichtiger Botschafter für Sport, Gesellschaft und Inklusion – oder wie ich es lieber nenne: Normalität.“
Liest sich wie ein Lebenswerk – ist aber nur ein Zwischenfazit. Nach seiner Verletzung ist Markus Rehm mit neuem Trainer längst wieder im Einsatz. Und hat nach wie vor große Ziele: Irgendwann soll die 9-Meter-Marke fallen. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück Arbeit und der TSV-Athlet ist erfahren genug, um nichts zu überstürzen. Seine ersten Wettkampf-Sprünge nach der erfolgreichen Reha möchte der Markus Rehm am 18. Juli beim Para-Heimspiel auf der Fritz-Jacobi-Anlage machen.
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