Für Wissbegierige
Stabhochsprung-Weltmeister Shawn Barber springt zum wiederholten Mal in Leverkusen. Foto: Kenny Beele
Stabhochsprung-Weltmeister Shawn Barber springt zum wiederholten Mal in Leverkusen. Foto: Kenny Beele

Drei Stunden Spitzenklasse

Fünf Disziplinen, sechs Duelle – unter diesem Motto stehen die „Bayer Classics“, die am Samstag (16. Juni) auf der Fritz-Jacobi-Sportanlage in Leverkusen-Manfort Premiere feiern.


Mit Sprinter Kim Collins und Stabhochspringer Shawn Barber sind zwei Weltmeister am Start. Neu im Programm ist ein Kugelstoßwettbewerb, bei dem die EM-Norm gejagt wird.

Zu einem regelrechten Gipfeltreffen kommt es an der Hochsprunglatte, wo Lokalmatador Mateusz Przybylko (Bestleistung 2,35 m) stärkste Konkurrenz hat. So haben sich der frühere WM-Dritte Sylwester Bednarek (Polen; 2,33 m), der EM-Dritte Chris Baker (Großbritannien; 2,28 m), U23-Europameister Douwe Amels (Niederlande; 2,28 m) und der wiedererstarkte ehemalige U20-Europameister Tobias Potye (LG Stadtwerke München; 2,27 m) angekündigt. Außerdem springt der U20-WM-Dritte Mohamat Allamine Hamdi (Katar; 2,26 m).

Auch im Stabhochsprung ist alles angerichtet für Höhenflüge der Extraklasse. Unter anderem ist Shawn Barber am Start. 2015 wurde der Kanadier Weltmeister, nachdem er zuvor im Manforter Stadion bei den „Stabhochsprung Classics“ den Meetingrekord in die Höhe geschraubt hatte. Die Freiluft-Bestleistung des 24-Jährigen steht bei 5,93 Metern, in der Halle überflog er sogar schon die magische Marke von 6,00 Metern.

Die starke heimische Phalanx wird durch die bereits mit der Europameisterschafts-Norm (5,60 m) ausgestatteten Bo Kanda Lita Baehre und Tobias Scherbarth sowie Olympiateilnehmer Karsten Dilla und den am Sonntag auf 5,40 Meter verbesserten Zehnkämpfer Torben Blech repräsentiert.

Flüge bis ans Ende der Sandgrube

Flüge bis ans Ende der Sandgrube zeichnen sich im Weitsprung ab. Favorit: Der unterschenkelamputierte Markus Rehm vom TSV Bayer 04 Leverkusen, der bei den Paralympics 2012 und 2016 Gold holte. Seine Bestweite: 8,40 Meter. Der Herausforderer kommt aus Italien und heißt Filippo Randazzo. Der vorjährige Zweite der U23-EM sprang schon 8,05 Meter.

TSV-Top-Sprinterin Gina Lückenkemper bekommt es über 100 Meter mit der WM-Siebten Rosangela Santos aus Brasilien zu tun. Die 27-Jährige hält mit 10,91Sekunden den Südamerika-Rekord, vier Hundertstel schneller als die Bestzeit der WM-Halbfinalistin vom TSV Bayer 04 Leverkusen, die zwei starke Klubkolleginnen an ihrer Seite hat: Yasmin Kwadwo war mit der Nationalstaffel bereits zweimal Olympia-Fünfte, Jennifer Montag gehörte im letzten Sommer zur deutschen Staffel, die bei den U20-Europameisterschaften Jugend-Weltrekord lief und den Titel holte.

Hanna Maari Latvala (Finnland) wartet mit einer Bestzeit von 11,30 Sekunden auf. Die Niederländerin Naomi Sedney gewann vor zwei Jahren mit der Staffel EM-Gold. Loungo Matlhaku (Botswana) schaffte bei den Afrika-Meisterschaften Platz sieben. Patrizia van der Weken ist luxemburgische Hallen-Meisterin über 60 und 200 Meter.

Sprints auf hohem Niveau

Bei den Männern steht Ex-Weltmeister Kim Collins im Mittelpunkt. Die 9,93-Sekunden-Rakete aus St. Kitts & Nevis, einem Mini-Staat in der Karibik, möchte Anfang September in Berlin seine Karriere beenden. Bei den „Bayer Classics“ lauert beinharte Konkurrenz.  Emre Zafer Barnes (Türkei) ist mit 10,08, Viktor Hugo (Brasilien) mit 10,11 Sekunden gelistet. Von der Elfenbeinküste kommt Arthur Gue Cissé, der mit einem Hausrekord von 10,19 Sekunden aufwartet. Der zweifache nigerianische Meister Ogho-Oghene Egwero hat sogar eine Bestzeit von 10,06 Sekunden.

Sein früherer Landsmann Peter Emelieze (ASV Köln) ist seit 2016 Deutscher und hat bei der Hallen-WM Anfang März seinen Einstand im Nationaltrikot gegeben. Seine 100-Meter-Bestzeit von 10,18 Sekunden hat er gleich zweimal geschafft. Nicht ausgeschlossen ist, dass Peter Emelieze bei den Europameisterschaften im August in Berlin gemeinsam mit Lokalmatador Aleixo Platini Menga in der Nationalstaffel läuft.

Der Extraklasse-Sprinter vom TSV Bayer 04 Leverkusen wurde in Angola geboren, wuchs in Monheim auf und hat eine 100-Meter-Bestzeit von 10,15 Sekunden. Nur zu gern würde er am Samstag vor heimischer Kulisse die EM-Norm von 10,25 Sekunden abhaken. Auch zu beachten ist EM-Halbfinalist Giovanni Codrington (Niederlande; 10,29 sec). Nicht weniger Aufsehen erregen dürfte ein Einlage-Lauf, bei dem zwei Nachwuchs-Asse gegen vier Para-Sprinter antreten. Die Startblöcke werden versetzt aufgestellt, so dass nur der von der Bestzeit her Schnellste tatsächlich 100 Meter zurücklegen und die Mitbewerber einholen muss.

Ziel: EM-Norm knacken

Sozusagen in letzter Minuten wurden die „Bayer Classics“ um einen exzellent besetzten Kugelstoßwettbewerb erweitert. Daran nehmen sechs der aktuell achtbesten Deutschen teil, darunter Tobias Dahm (VfL Sindelfingen), der Achte der Hallen-WM von 2016, der frühere U18-Weltmeister Patrick Müller (SC Neubrandenburg) und der vorjährige Deutsche Vize-Meister Jan Josef Jeuschede (TSV Bayer 04 Leverkusen). Ziel: Die exakt bei 20 Metern angesiedelte Norm für die Europameisterschaften im August in Berlin. „Bundestrainer Sven Lang hat uns gebeten, den Wettbewerb ins Programm zu nehmen“, berichtete „Classics“-Organisationsleiter Jörn Elberding.

Das Meeting beginnt um 17.45 Uhr. Sozusagen zum Aufwärmen trägt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) im Vorprogramm ab 15.30 Uhr einen Stabhochsprung-Nominierungswettkampf für die U20-Weltmeisterschaften aus. Schon ab 15 Uhr werden Talente in den Bereichen Sprung, Sprint, Wurf und Koordination gesichtet. Wer nicht im Stadion ist, kann das Spektakel via Livestream verfolgen.

Dr. Frank Kobor, der Leiter der TSV-Leichtathletik-Abteilung, bekräftigt die Absicht, die „Bayer Classics“ als neue Marke zu etablieren und 2020 zum Voll-Meeting auszubauen. Im nächsten Jahr soll das integrative Sportfest des TSV Bayer 04 Leverkusen mit der Veranstaltung verschmelzen.

Harald Koken


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