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(Foto: Jessica Buchmüller)

| Basketball

BAYER Ein Urgestein geht: Michael Kuczmann läuft nicht mehr für BAYER auf

Michael Kuczmann wird in Zukunft nicht mehr für die Korbjäger unter dem Bayer-Kreuz auf Punktejagd gehen. Der gebürtige Leverkusener hat sich in seinem beruflichen Umfeld neuorientiert und tritt vom aktiven Leistungsbasketball zurück.


Michael Kuczmann wird in Zukunft nicht mehr für die Korbjäger unter dem Bayer-Kreuz auf Punktejagd gehen. Der gebürtige Leverkusener hat sich in seinem beruflichen Umfeld neuorientiert und tritt vom aktiven Leistungsbasketball zurück.

Es gibt sie, diese Dinge, die einfach zusammengehören. Die Bayer AG verbindet man ohne große Umschweife mit der Stadt Leverkusen, während der Eiffelturm fest zu Paris gehört. Ähnlich war die Symbiose zwischen den BAYER GIANTS und Michael Kuczmann. Seit seiner Geburt, dem 27. März 1993, ist der Sohn von Trainerlegende Achim Kuczmann aktiver Part der Basketballabteilung des TSV Bayer 04. Seitdem hat Michi eine Menge erlebt…


Seit zehn Jahren in der BARMER 2. Basketball Bundesliga unterwegs

Zu Beginn der Saison 2011/12 waren die Zeiten bei den GIANTS andere. Die Leverkusener Basketballer stellten sich auf der Führungsebene komplett neu auf. Frank Rothweiler wurde neuer Abteilungsleiter, während Achim Kuczmann als Trainer an der Bismarckstraße übernahm. Es galt damals die BAYER-Basketballer in der ProB zu etablieren, schließlich ging der Klub in seine insgesamt dritte Spielzeit in der 2. Basketball Bundesliga.

Im Frühjahr 2011 fand auch Michael Kuczmann den Weg ins Team der ersten Mannschaft. Zuvor durchlief der Flügelspieler alle Leistungsmannschaften des Vereins inklusive NBBL unter Trainerin Katrin Hering. Doch die Saison 2011/12 war keine einfache „Premierenspielzeit“ für Michi. Das Team spielte gegen den Abstieg und konnte sich erst in den damaligen Playdowns gegen die Gießen Pointers in einer engen „Best-of-Three“-Serie mit 2:1 durchsetzen. Doch eine Erinnerung bleibt haften: Am 10. Dezember 2011 reisten die GIANTS zum BSV Wulfen. Lange Zeit lagen die Rheinländer abgeschlagen zurück – bis Michael Kuczmann gefühlt jeden Wurf traf. Hier ein Dreier, dort ein Layup: Zwar verloren die „BAYER-Boys“ schlussendlich mit 64:66, dennoch waren die 17 Punkte von Michi der Beweis, dass der junge Akteur im zarten Alter von 18 Jahren auch im Seniorenbereich mithalten kann: „Der Moment ist einer von vielen, der für mich heraussticht“, erklärt Kuczmann. „Damals ist wirklich jeder Ball den ich geworfen habe in den Korb der Wulfener geflogen. An diesem Abend habe ich gemerkt, dass ich auf dem Level mithalten kann.“

 

In der darauffolgenden Saison gewinnt BAYER die Meisterschaft in der ProB, steigt in die ProA auf und muss nach der Spielzeit 2015/16 absteigen. Es folgen für Kuczmann einige Jahren in Deutschlands dritthöchster Spielklasse, bevor man 2019 grandios den ProB-Titel erringt und sich in der Folge zwei Jahre später das sportliche Teilnahmerecht an der BBL erspielt. All dies hat Michael nicht nur hautnah miterlebt, sondern war ein wichtiger Teil der Geschichte und wahrscheinlich könnte der inzwischen 28-Jährige ein 500-seitiges Buch über seine Erlebnisse im BAYER-Dress schreiben. Deshalb fällt es ihm auch schwer, den EINEN Moment seiner Karriere zu benennen: „Es gab so viele besondere Ereignisse in meiner Spielerlaufbahn, an die ich gerne zurückdenke“, sagt Michi mit glänzenden Augen. „Die 48 Punkte von Josh Parker in Dresden 2013, der Dreierregen von Matthias Goddek gegen Wolfenbüttel, als er zehn seiner 11 Versuche von draußen traf. Die Meisterschaften in der ProB, die Vizemeisterschaft in der ProA, aber genauso auch die Tiefschläge wie der Abstieg 2016, der mich damals arg mitgenommen hat. Die vergangenen zehn Spielzeiten sind wie Flug vergangen“. Dabei hat sich Kuczmann einige Kindheitsträume erfüllt: „Wenn du auswärts auf dem Parkett in Quakenbrück, Gießen oder Vechta stehst, wo die Stimmung sehr laut und einschüchternd ist, dann ist das etwas ganz Besonderes. Genauso wie die Derbys gegen Schwelm und Köln, wo die Brisanz förmlich in der Luft lag – das war einfach phänomenal.“

Am Ende kann „Kucze“ auf insgesamt 281 Spiele in der 2. Basketball Bundesliga zurückschauen. 152-mal stand Michi in der ProA auf dem Parkett, 129 Begegnungen bestritt der Shooting Guard in der ProB. In der Endrunde, den Playoffs, war er in 33 Spielen aktiv. Wir könnten jetzt noch auflisten, wie oft Michael zweistellig gepunktet hat, dass würde den Rahmen aber sprengen. Sein Karriere-Bestwert in der Kategorie „Punkte“ kam am 22. November 2015 zustande. Damals markierte Kuczmann 22 Zähler beim 88:76-Erfolg über die WHITE WINGS Hanau.


Mehr Zeit für den Beruf und das Privatleben

Doch was bewegt Michi dazu, seine Karriere auf Eis zu legen? „Ich bin einfach an einem Punkt im Leben angelangt, an dem es immer schwieriger wird, den hohen Ansprüchen des Profibasketballs gerecht zu werden. Durch das steigende Niveau in den vergangenen Jahren, aber auch durch meinen Abschluss des Studiums und den erfolgreichen Start ins Berufsleben, hat sich eine Entscheidung aufgedrängt. Es fiel mir ganz sicher nicht leicht, aber unter Berücksichtigung aller Faktoren macht es am meisten Sinn, mich in Zukunft mehr auf meinen beruflichen Werdegang zu konzentrieren.“

Nach gut 20 Jahren wird Kuczmann also keinen professionellen Basketball mehr spielen. Die Erinnerungen bleiben aber: „Ich erinnere mich noch gut an mein erstes U10-Training bei BAYER oder einen 145:10-Sieg in der U14 NRW-Liga…den gab es wirklich“, lacht Michi. „Jetzt freue ich mich aber darauf, viel Freizeit mit meiner Frau und der Familie zu verbringen. Ich kann das erste Mal nach unzähligen Jahren wieder in den Winterurlaub fahren, ohne auf den Spielplan zu schauen. Auch wenn Basketball immer ein wichtiger Teil meines Lebens war, bin ich nicht böse auch mal am Wochenende die Beine hochlegen zu können.“

Ein anderer Verein kommt für das Leverkusener Eigengewächs nicht in Frage, dafür ist Michael zu sehr Anhänger der „Riesen vom Rhein“, wie er erklärt: „Die Entscheidung für einen anderen Klub zu spielen, wäre sehr schwer für mich. Ich bin durch und durch ein GIANT, seit Kindesbeinen an. Mir vorzustellen, dass ich für eine andere Mannschaft auflaufe, fällt mir schwer.“ Stattdessen hat Michi einen anderen Plan: „Ich werde die Jungs künftig von den Rängen aus unterstützen. Wie früher halt, als Fan.“ Bedanken wollte sich Michi allerdings noch: „Vielen Dank an alle Menschen, denen ich den vielen Jahren über den Weg gelaufen bin. Die, die mich von der Tribüne aus angefeuert haben. Die Personen, die mit mir nach dem Spiel über so viele Dinge gesprochen und mich nach Niederlagen immer wieder aufgebaut haben. Ganz besonders möchte ich mich für den Support bei allen Mitspielern, Trainern, Physios und den Helfern in der Rundsporthalle bedanken. Die gefeierten Erfolge wären ohne diese Personen niemals möglich gewesen."

 

Die BAYER GIANTS freuen sich über den Fan Michi Kuczmann, verlieren aber vor allem einen sympathischen und bodenständigen Menschen, der wie kein Zweiter für die Werte des Vereins steht. Lieber Michael: Mach es gut, genieß deine Freizeit und bis bald in der Ostermann-Arena – Danke für deinen unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz auf dem Feld.


Stimmen zum Abgang von Michael Kuczmann

Hansi Gnad (Headcoach der BAYER GIANTS): „Dieser Abgang tut nicht nur mir, sondern dem gesamten Verein weh. Ich kenne Michi schon seit frühesten Kindesbeinen an, als ich noch selber aktiv für BAYER war. Damals hat er nach dem Spiel pausenlos auf den Korb in der Rundsporthalle geworfen. Er war, wie sollte es auch anders in der Familie Kuczmann sein, absolut basketball-begeistert. Für mich ist er das Sinnbild der GIANTS. Michael hat jedes Leistungsteam bis hin zur ersten Mannschaft in Leverkusen durchlaufen. In vielen Spielen war er ein ganz wichtiger Bestandteil des Teams, ohne sich über seine Mitspieler zu stellen. Diese Eigenschaft hat ihn stets ausgezeichnet, der Erfolg der gesamten Mannschaft stand für Michi über allem. Jetzt hat er eine Entscheidung zugunsten seines Berufslebens getroffen, welche auch für ihn sicherlich nicht einfach war. Ich kann dies absolut nachvollziehen. Mit 28 Jahren ist Michi jedoch noch nicht in einem Alter, wo er die Basketballschuhe an den berühmten Nagel hängen muss. Wer weiß, was in Zukunft noch passiert? Erst einmal wünsche ich Michi, einer Identifikationsfigur der BAYER GIANTS Leverkusen, alles Gute für sein weiteres Berufsleben und ich freue mich darauf, ihn in der Ostermann-Arena zu begrüßen.“

 

Frank Rothweiler (Abteilungsleiter der Basketballer des TSV Bayer 04 Leverkusen): „Ich habe sehr großen Respekt vor Michi’s Entscheidung. Bei mir schlagen zwei Herzen in der Brust: zum Einen verlieren wir einen unheimlich sympathischen Spieler, dessen Verhalten auf und abseits des Spielfeldes stets von Professionalität und Fairness geprägt war. Michi verkörpert für mich die wichtigsten Werte, die wir als BAYER GIANTS vertreten wollen. Auf der anderen Seite gönne ich Michi und seiner noch jungen Familie von Herzen, dass sie ab sofort sehr viel mehr wertvolle Zeit füreinander haben und ihre Wochenenden nach vielen Jahren endlich selbst planen und einteilen können. Mich persönlich verbindet eine langjährige Freundschaft zur gesamten Familie Kuczmann und ich würde mich sehr freuen, wenn die enge Verbundenheit zu den GIANTS auch in Zukunft besteht und wir uns bei vielen ProA Heimspielen in der Halle sehen. Ein großes persönliches Dankeschön an Michi für seine vielen tollen Jahre im Trikot unserer BAYER-Basketballer und beruflich und privat alles Gute für die Zukunft.“

Henrik Fronda (Geschäftsführer der GIANTS): „Dass ein Spieler nach mehr als 10 Jahren bei ein und derselben Profi-Station verabschiedet wird, hat nicht nur im Basketball Seltenheitswert. Michi hat war als Urgestein eine echte Identifikationsfigur der Giants und daher ist es für uns selbstverständlich, dass mit ihm auch die Nummer 25 in „Rente“ geht. Diese Trikotnummer werden wir künftig nicht mehr vergeben.“

Christopher Kwiotek

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