Talent days - Jugendsport Camp 2025
Sport mit Sportprothese für Kinder und Jugendliche
Rückblick Talent days 2025
„Das war der schönste Tag“: Das schrieb Emad zu einem Gruppenfoto, das ihn und die anderen Teilnehmenden der Ottobock Talent days beim TSV Bayer 04 Leverkusen zeigte. Wie schon bei den vorherigen Ausgaben waren die Talent days auch dieses Mal ein emotionaler, positiver Ausnahmezustand, der zweieinhalb Tage andauerte.
An dem Wochenende lernten die 20 Teilnehmenden – davon 15, die erstmals bei den Ottobock Talent days dabei waren – wie man mit einer Sportprothese rennen kann. Angeleitet wurden sie Paralympics-Legende Heinrich Popow, Paralympicssieger und Weltmeister Johannes Floors, den Paris 2024-Medaillengewinnerinnen Elena Kratter und Nele Moos sowie von Senkrechtstarterin Jule Roß, die jüngst bei der Para Leichtathletik-WM in Indien mit erst 19 Jahren WM-Bronze gewann.
„Für uns sind die Talent days ein Geschenk. Wir entdecken regelmäßig Talente, die später bei uns im Verein Sport machen und es sogar zu Paralympics schaffen könnten“, sagt Jörg Frischmann, Geschäftsführer Para Sport beim TSV Bayer 04 Leverkusen: „Vor allem haben aber alle einfach viel Spaß. Ich bekomme regelmäßig Gänsehaut, wenn ich die Freude der Teilnehmenden sehe, wenn sie auf einer Sportprothese rennen oder für sich ein Erfolgserlebnis haben.“ Besonders dieses Mal: Die Hälfte der Teilnehmenden war unter 18 Jahren und sie kamen aus Kiel, München oder Halle an der Saale aus ganz Deutschland angereist – teils mit ihren Familien, für die der Austausch auch eine wertvolle neue Perspektive brachte. Die Gruppe bestand hauptsächlich aus Ober- und Unterschenkelamputierten, aber auch zwei Menschen mit Armamputation und Dysmelien.
Popow, Talent days-Coach und Ex-Junioren-Weltmeister Philipp Waßenberg, Floors und Kratter forderten als Coaches die Älteren ordentlich und brachten sie mit vielen Lauf- und Koordinationsübungen zum Schwitzen. Um die Kids kümmerten sich die Bayer-Trainerinnen Sara Grädtke, Kira Biesenbach, Pia Stemski sowie Roß und Moos, die die Jüngeren mit Laufspielen, Weitsprung und Ballwurf zum Bewegen motivierten. Welchen Stellenwert die Talent Days auch für Partner Ottobock haben, zeigte die Tatsache das CEO Oliver Jakobi persönlich vor Ort, um sich die jungen Talente anzuschauen.
Das große Highlight wartete dann am Sonntag: Wie immer stand das große 30-Meter-Finale an, bei dem alle sehen konnte, was sie nach zwei Tagen Training erreicht hatten – und bei dem sie sich nach einem fliegenden Start mit ihren Idolen, Familien oder Orthopädietechnik-Mechaniker*innen messen konnten.
„Toll war auch wieder, dass Johannes Floors, Elena Kratter, Jule Roß und Nele Moos am Start waren, zu denen besonders die Kleinen aufblicken und unglaublich begeistert waren, mit ihnen trainieren zu dürfen“, sagte Andrea Cremer von Ottobock – wohlwissend, dass viele der Teilnehmenden das nächste Talent days-Wochenende kaum abwarten können.
„Unsere Kinder hatten bei den Talent days eine wunderbare Zeit, fühlten sich sofort willkommen und bestens betreut“, sagten die Eltern von Teilnehmenden: „Der Austausch mit anderen Eltern war ungemein wertvoll und bestätigt, wie viel gemeinschaftlicher Zusammenhalt bedeuten kann. Unsere Kinder kehren mit neuen Freundschaften, gestärktem Selbstbewusstsein und dankbaren Herzen zurück.“ Die Eltern eines anderen Teilnehmers sagten: „Es ist sehr schön für die Kinder zu sehen, was alles möglich ist mit einer entsprechenden Versorgung, einem tollen Umfeld und viel harter Arbeit. Besonders an der Veranstaltung ist, dass der Fokus auf den Möglichkeiten liegt und sie andere Kinder und auch Erwachsene sehen mit Prothesen.“
Interessierte können sich bei joerg.frischmann@tsvbayer04.de per Mail melden.
„Es ist wirklich einmalig, was Ottobock hier macht“, sagte Parasport-Geschäftsführer Jörg Frischmann nach drei vollgepackten Tagen, an denen 26 Kids, Jugendliche und junge Erwachsene größtenteils erstmals die Möglichkeit hatten, mit einer Sportprothese zu rennen. Unter der Anleitung der Paralympics-Sieger Heinrich Popow und Johannes Floors und der Schweizer Paralympics-Bronzemedaillengewinnerin Elena Kratter starteten die Talent days mit einem Kennenlernen und der Anpassung der Sportprothesen am Freitagabend. Am Samstag und Sonntag lernten die Teilnehmenden mit verschiedenen Übungen das Gehen und später auch das Rennen mit Sportprothesen – und auch eine auspowernde Einheit Sitzvolleyball durfte nicht fehlen. Der Höhepunkt: das abschließende 30-Meter-Rennen am Sonntag gegen die Stars durch eine Lichtschranke.
„Für mich sind das die Wochenenden, die mir am meisten Spaß machen“, sagte Georgia Näder, Vice President Futuring Mediterrane & Business Transition bei Ottobock, die extra aus Frankreich nach Leverkusen angereist war: „Für mich ist es immer extrem motivierend. Man hat Leute, die 20 Jahre keinen Sport gemacht haben. Leute, die frisch amputiert sind, die zum ersten Mal auf einer Sportprothese stehen und am Ende mit dem größten Lächeln auf dem Gesicht sprinten und laufen können. Das Miteinander zu erleben, ist ganz besonders. Das Aufblühen der Leute – man sieht, wie wichtig der Sport ist, nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf. Das Gefühl, die Freiheit zu haben, alles machen zu können, sich bewegen zu können.“
Und während sich die Eltern austauschen konnten, flitzten die Kids in ihren blauen Trikots und mit ihren Leih-Prothesen durch die Leichtathletik-Halle – wie der vierjährige Johann. „Nachdem er einfach losgerannt ist, hat er gesagt: Das fühlt sich an wie schweben, Mama! Dann meinte sie: Ja, dann geh mal schweben und er ist weitergerannt. Das war so süß und das sind die Momente, die uns alle jeden Tag motivieren. Es ist immer schön, das zu erleben“, sagt Näder und verwies auf die Schwierigkeit, das noch immer in vielen Ländern Sportprothesen nicht von den Krankenkassen erstattet werden: „Dafür wollen wir als Unternehmen kämpfen, so ein Wochenende ist das beste Beispiel dafür.“ Lachende, aber auch müde Gesichter waren dann bei der Siegerehrung zu sehen, als alle Teilnehmenden unter großem Applaus der Eltern, der Trainerinnen und Trainer sowie der Technik-Crew von Ottobock und Lentes Prothesenwerkstatt, die dafür sorgten, dass alle passende Prothesen hatten, ihre Urkunden bekamen. Heinrich Popow, der auf der ganzen Welt bei den Ottobock Running Clinics Amputierten das Sprinten mit einer Prothese beibringt, zeigte sich beeindruckt vom Eifer und dem Spaß, den alle hatten.
Teilnehmer Julian ist nun sogar so motiviert, dass er von seinem Wohnort Heidelberg künftig an Wochenenden auch mal drei Stunden Fahrt auf sich nehmen möchte, um in Leverkusen zu trainieren: „Ich bin durch die vielen Paralympioniken extrem gecoacht worden. Es ist ein tolles Umfeld. Ich war noch nie in meinem Leben in einer solch guten Trainingshalle und werde auf jeden Fall dranbleiben und weitermachen.“ Parasport-Geschäftsführer Jörg Frischmann ist optimistisch, dass die Talent days für viele erneut nur den Startschuss für eine sportliche Karriere ist: „Ich hoffe, dass einige vielleicht sogar den Weg in den Verein hier finden und öfters mal vorbeischauen im Training. Wir konnten hier schon das ein oder andere Talent sehen. Und wer Lust bekommen hat, kann sich einfach bei uns melden: Für 2025 planen wir wieder gemeinsam mit Ottobock zwei Talent days.“
Interessierte können sich bei joerg.frischmann@tsvbayer04.de per Mail melden.
Wer bis hier gelesen hat: Leider ist es nicht üblich, dass Krankenkassen beinamputierten Menschen eine Sportprothese bezahlen. Wir sind da anderer Meinung, weil wir tagtäglich sehen, wie viel Lebensfreude Sportprothesen geben können. Deshalb unterschreibt diese Petition, wenn ihr auch denkt, dass Sportprothesen für alle da sein sollten: https://www.change.org/p/kostenübernahme-für-sportprothesen-im-rahmen-der-hilfsmittelversorgung-karl-lauterbach