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Mi, 05.06.2013

Sitzvolleyball-Trainer Overhage im Interview

Seit kurzem ist Michael Overhage der neue Trainer der Bayer-Sitzvolleyballer. Im Interview spricht er über seinen Weg zum TSV und über seine Ziele.

Sitzvolleyball-Trainer Michael Overhage

Herr Overhage, Sie sind seit Anfang des Jahres Trainer der Bayer-Sitzvolleyballer. Wie sind Sie zu dem Sport gekommen?

Der TSV, zu dem ich schon lange, vor allem durch Sponsoring- und Spielbetriebsleiter, Jürgen Rothe, in freundschaftlichem Kontakt stehe, ist im letzten Jahr, mit der Frage, ob ich Interesse am Sitzvolleyball hätte, auf mich zugetreten. Da ich bis dato keinerlei Kontakt mit der Sportart hatte, aber natürlich die paralympischen Erfolge der Nationalmannschaft mitbekommen hatte, war ich direkt neugierig, und habe einige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Ich war sofort begeistert, hatte riesen Spaß, aber auch tierischen Muskelkater.

Sie kommen aus dem Volleyball. Was waren ihre vorherigen Stationen im Sport?

In Deutschland waren Bonn und Düren meine sportlichen Stationen, als Spieler und Manager. Zwischendurch war ich 3 Jahre in Reykjavik Spielertrainer bei Throttur in der 1. Liga und Headcoach der isländischen Herrennationalmannschaft. Nach Beendigung meiner aktiven Laufbahn war ich zuletzt 2 Jahre als Manager bei evivo düren.

Was war Ihr erster Eindruck von der Sportart?

Wie bereits gesagt, ich war direkt angefixt. Dass der Sport so unglaublich schnell und dynamisch sein würde, hatte ich nicht erwartet. SITZvolleyball hört sich ja erst mal eher statisch an. Eine interessante Erfahrung war sicherlich auch, dass 2 gesunde Beine ein echtes Handicap sein können. Die sind beim schnellen Bewegen mit vielen Richtungswechseln für Ungeübte wie mich, erst mal absolut im Weg. Und Beweglichkeit und Bewegungsschnelligkeit sind bei uns das A und O. Ich wusste gar nicht, wo man überall Muskelkater haben kann, und dass, obwohl ich aus dem Leistungssport komme. Ich hatte sofort riesen Respekt vor den Athleten, die mich immer noch richtig alt aussehen lassen, obwohl ich mittlerweile deutlich mehr Erfahrungen im Spiel sammeln konnte.

Seit dem 1. Juni sind Sie der erste hauptamtliche Stützpunkt-/Vereinstrainer im deutschen Sitzvolleyball. Was bedeutet das für Sie und die Sportart?

Das war mir ehrlich gesagt bisher gar nicht bewusst, freut mich natürlich. Ich denke, dass es für die Sportart ein positives Signal ist und beweist, dass sie auf Interesse stößt und sich etwas bewegt. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Wir haben sowohl bundesweit, wie im Verein, ein sehr engagiertes, kompetentes Expertenteam, von dem ich noch vieles Lernen kann und muss.

Was können Sie bedingt durch diese Tatsache anders machen als ihre Vorgänger?

Durch die Hauptamtlichkeit habe ich neben der Betreuung meiner Vereins- und Kaderathleten am Stützpunkt Leverkusen noch weitere Kapazitäten, um mich um die Weiterentwicklung der Sportart und ihrer Infrastruktur zu kümmern. Eine der wichtigsten Aufgaben wird hier in der Nachwuchsförderung liegen, und das nicht nur in der Jugend. Ziel muss es sein, eine breite Basis für den Spitzensport zu schaffen. Ein Meilenstein hierfür war die Öffnung der nationalen Wettbewerbe für nichtbehinderte Sportler. Dies eröffnet uns einen deutlich größeren, lassen Sie es mich Beschaffungsmarkt nennen, da wir nun auch in, neben den klassischen Behindertensportarten wie z. B. Sitzball, nichtbehinderten Sportabteilungen rekrutieren und Interesse für unsere Disziplin wecken können. Dies soll durch Kooperationen mit unseren Dachverbänden wie WVV und DVV, aber auch direkt mit Volleyballvereinen und der DSHS Köln, geschehen. Hier sind bereits erste Schritte unternommen worden.

Mit dem TSV Bayer 04 Leverkusen haben Sie eine der erfolgreichsten Vereinsmannschaften im Behindertensport übernommen. Was sind ihre persönlichen Ziele?

Hier bin ich mir der Verantwortung voll bewusst und habe natürlich vor, an diese Erfolge anzuknüpfen. Ein erster Erfolg war der respektable 3. Platz beim internationalen Siemens-Cup in Hamburg Anfang Mai. Als nächstes werden wir versuchen unseren Titel bei der DM, wiederum in der Hansestadt, am kommenden Wochenende zu verteidigen. Das wird sicherlich ein schwieriges Unterfangen. Langfristig wollen wir uns auch auf internationaler Bühne erfolgreich zeigen und weiterhin viele Nationalspieler stellen.

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille der Deutschen Sitzvolleyball-Nationalmannschaft haben wichtige Stammspieler ihre Karriere beendet bzw. treten kürzer. Wie gehen Sie mit der Situation um und wie kann der Verein an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen?

Die Situation ist momentan recht schwierig, aber dadurch auch sehr spannend. Wir verfügen über eine gewisse Anzahl an sehr talentierten Nachwuchsathleten, die am kommenden Wochenende zeigen können, was in ihnen steckt. Ziel muss es sein, solange sie noch zur Verfügung stehen, möglichst viel von den erfahrenen Spielern zu lernen. Dies geht natürlich am besten im gemeinsamen Training und Wettkämpfen.

Erstmalig sind bei Deutschen Meisterschaften auch Nichtbehinderte Spieler startberechtigt. Wie beurteilen Sie das?

Wie bereits vorher angemerkt, sehe ich diese Entwicklung als einen riesen Schritt in die richtige Richtung, Inklusion kann nicht nur als Einbahnstraße funktionieren. Viele Gegner dieser Entscheidung befürchten, dass die Öffnung zu einem Wettrüsten führen könnte und behinderte Athleten aus der Sportart verdrängt würden. Diese Bedenken teile ich nicht. Wie ich bereits sagte: nicht behindert zu sein, ist in dieser Sportart nicht zwingend ein Vorteil.

Werden Sie auch von der Möglichkeit Gebrauch machen?

Ja, das werden wir, genau wie einige unserer Konkurrenten bei der DM auch. Als wohl prominentestes Beispiel sei hier Mark Siebeck aus Leipzig genannt. Mehr möchte ich aber im Vorfeld der DM noch nicht verraten.

Wer sind die Gegner im Kampf um den Titel?

Als härtesten Konkurrenten sehe ich die Leipziger, eine mit Nationalspielern gespickte Truppe. Aber auch Berlin und die Koblenzer um den Nationalspieler und ehemaligen TSVler Heiko Wiesenthal, sind sicherlich sehr ernst zu nehmende Kontrahenten. Ich freue mich auf spannende, aktionsreiche und emotionale Partien.

Danke für das Interview.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der angestrebten Titelverteidigung.

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