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Sa, 03.09.2016

Heinrich Popow - Mit Lockerheit zum Rio-Gold

Heinrich Popow Foto: Mika Volkmann

Heinrich Popow scherzt mit seinem britischen Konkurrenten Richard Whitehead, wenige Minuten vor dem Start gibt er dem Moderator noch ein Interview, winkt hier, grüßt da. Als der kleine Lenny ihn sieht, rennt er los und springt ihm in die Arme. Popow hatte mit einem Facebook-Post dafür gesorgt, dass der damals Achtjährige mit den Stars des FC Bayern ins Stadion einlaufen darf.

Leverkusen ist Popows Heimat, hier trainiert er, hier macht er aktuell eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker, nachdem er zuvor Fachinformatiker war und auch für die Fußballabteilung von Bayer 04 gearbeitet hat. Die Werkstätte für die Prothesen ist direkt am Trainingsgelände, für Popow ein Geheimnis des Erfolgs: „In der Formel 1 gewinnt auch niemand, wenn die Boxengasse 50 Kilometer entfernt ist.“

Der 33-Jährige klopft aber nicht nur Sprüche und ist gefühlt überall, er ist auch von einem auf den anderen Moment fokussiert und liefert beim Integrativen Sportfest eine Leistung ab, die er zuvor schon angekündigt hatte: Im Weitsprung kommt er auf 6,72 Meter – neuer Weltrekord, nachdem er die Woche zuvor schon den Deutschen Rekord auf 6,53 Meter verbessert hatte.

„Da geht noch einiges“, sagt er und verweist auf die Paralympics: „Ich werde bis Rio noch fünf Kilo leichter, dann sind 6,80 Meter, 6,90 Meter möglich – oder, wenn einer ganz böse ausrutscht vielleicht auch die sieben Meter.“

Auch über die 100-Meter-Strecke, über die Popow 2012 in London mit Paralympics-Gold in Weltrekordzeit seinen größten Erfolg gefeiert hatte, will er bis September wieder um den Sieg mitlaufen: „Ich bin so schnell wie Whitehead, ganz sicher. Bei den Paralympics will ich alles raushauen.“

Popow, der nach seinem internationalen Debüt 2002 mit die meiste Erfahrung der Leichtathleten in Rio mitbringen wird, war den Erfolg gewöhnt: Von drei Paralympics-Teilnahmen brachte er eine goldene, eine silberne und fünf bronzene Medaillen mit nach Hause, drei Weltmeistertitel kommen dazu.

Doch die letzten beiden Jahre war es ruhig geworden: Eine hartnäckige Verletzung zwang ihn 2014 zur Pause. Popow machte sich gar Gedanken um ein Karriereende, sein Knie, sein Kopf, irgendwie wollten sie nicht mehr so richtig.

Doch Popow raffte sich auf – und als er wieder in Form war, musste er verletzungsbedingt im Hinblick auf Rio auch auf die WM 2015 in Doha verzichten. „Ich war schon 13 Jahre verletzungsfrei im Leistungssport: Wenn ich das jemandem erzählt hätte, wäre ich ausgelacht worden. Jetzt hat es mich halt mal getroffen. Aber bis Rio ist das längst vergessen.“

Als der Wettkampf schon fast zu Ende ist, sitzt Popow noch mit seinen Technikern auf der Bühne und quatscht. Ein Junge kommt zu ihm, verabschiedet sich. Popow fragt: „Alles gut mit der Prothese?“ Der Junge nickt, gibt Auskunft, die Experten schauen sich das Problem an.

Trotz seines Weltrekords und dem ganz klaren Fokus auf den Erfolg in Rio hat Popow immer auch Augen für die Jüngsten – und als drei Kinder zur Tribüne rennen und ihm erzählen, dass sie sein „Fanclub“ seien und hier auch Leichtathletik machen, muss er lachen, umarmt sie und ruft dann, als sie schon wieder wegrennen: „Ich komme euch mal besuchen, oder ihr klopft einfach bei mir am Büro an.“

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