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Mi, 04.01.2017

Franziska Liebhardt: Ohne schlechtes Gewissen auch mal nichts tun

Zu Franziska Liebhardts 35. Geburtstag heute haben wir nachgefragt, wie es ihr in Würzburg nach ihrem Karriereende geht.

Franziska Liebhardt hat nach den Paralympics die Kugel beiseite gelegt (c)Axel Kohring/Beautifulsports
Franziska Liebhardt hat nach den Paralympics die Kugel beiseite gelegt (c)Axel Kohring/Beautifulsports

Bei den Paralympics in Rio de Janeiro hat Franziska Liebhardt Weltrekord-Gold im Kugelstoßen und Silber im Weitsprung gewonnen und anschließend ihre Karriere beendet. Seit Anfang des Jahres wohnt sie wieder in ihrer Heimat Würzburg.

 

 

Wie geht’s Dir? Hast Du dich schon wieder eingelebt?

Ich bin immer noch mit dem Umzug beschäftigt, das dauert ja immer ein bisschen, bis man sich dann fertig eingerichtet hat. Aber es sieht ganz gut aus, ich bin zufrieden. Ich hatte hier die ganze Zeit eine Eigentumswohnung, deshalb kenne ich das Haus, die Nachbarn und die Umgebung. Die Nachbarn haben sich total gefreut und mir einen netten Empfang bereitet.

 

Hast Du mittlerweile Zeit gehabt, Rio zu verarbeiten? Oder hast Du immer noch viele Termine?

Beides. Ich war erstaunt, wie viele Anfragen es nach Rio wirklich waren. Aber ich hatte seit Ende September frei und dadurch auch Zeit, das sich das setzt. Es ist nicht mehr dieses Hamsterrad, das es anfangs mal war. Jetzt wird es ruhiger und ich kann das auch mal genießen. Aber hier in Würzburg haben die Lokalmedien jetzt mitbekommen, dass ich zurück bin, jetzt gibt es hier noch ein paar Termine. Die Sekretärin des Oberbürgermeisters hat mich kontaktiert, dass er mich gerne hier empfangen würde. Ich bin hier prominent.

 

Was bleibt Dir von der Zeit in Rio – beziehungsweise auch der Zeit davor in Leverkusen?

Wenn mich Freunde nach Rio fragen, dann sage ich immer, dass es eine geile Zeit da war. Aber auch schon davor in Leverkusen war es schön. Ich habe es nie bereut, diesen Schritt für zwei Jahre zu machen, habe viele super nette Leute getroffen und mich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich weiterentwickelt. Aber ich kann gar keinen speziellen Moment nennen, weil einfach diese gesamte Zeit mit der Vorbereitung und dann auch den Paralympics so viele geniale Momente hatte.

 

Du hast ja schon vor Rio gesagt, dass Du deine Karriere beenden wirst. Hast Du jetzt mal wieder trainiert seither?

Ja, ich mache so zwei bis drei Mal die Woche Sport. Aber nur so zum Spaß, beispielsweise Volleyball, Basketball oder Step-Aerobic. Eine Kugel hatte ich nicht mehr in der Hand. So ganz ohne Sport wird es bei mir nie gehen, da bekäme ich wohl Entzugserscheinungen. Aber dass es nicht mehr leistungsbezogen ist, genieße ich aktuell total. Wenn ich an einem Tag keine Lust habe, was zu machen, dann mache ich auch nichts. Früher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal krank war und nichts machen konnte, das gibt es jetzt nicht mehr, das ist super entspannt. Das fehlt mir aktuell gar nicht. Ich hoffe, es bleibt so angenehm.

 

Dein Ziel war es, Rio doppelt zu nutzen: Einerseits sportlich, andererseits, um auf Organspende aufmerksam zu machen.

Das ist mir – Stand jetzt – auch gelungen. Ich bin seit Anfang des Jahres im Vorstand für „Sportler für Organspende“ und „Kinderhilfe Organtransplantation“, da bringe ich mich mehr ein, das ist fast ein Nebenjob als Ehrenamt. Da nutzt mir mein Netzwerk in Würzburg. Aber es macht Spaß, den Kopf und den Geist mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ich habe jetzt auch viele Termine bis in den Sommer rein, wo ich über Organspende spreche, auch bei Symposien von Medizinern. Da geht es dann nicht um meine Person, sondern um die Sache in Verbindung mit mir und das war ja auch von vornherein mein Ziel, die Paralympics nicht nur sportlich anzugehen.

 

Was sind deine Aufgaben, die Du dir für die nächste Zeit gestellt hast?

Neben dem Thema Organspende bin ich auch wieder in meinen Beruf zurückgekehrt, wenn auch leicht verändert. Ich bin aus der Patientenheilkunde raus in die Lehre, arbeite also nicht mehr direkt als Kinderphysiotherapeutin, sondern schule angehende Physios in der Pädiatrie, also der Kinderheilkunde. Ansonsten freue ich mich, dass das normale Leben weitergeht, auf die Zeit mit meinen Freunden hier.

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