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Paralympics-Portrait: Franziska Liebhardt: Die Paralympics doppelt nutzen

Do, 01.09.2016

Paralympics-Portrait: Franziska Liebhardt: Die Paralympics doppelt nutzen

Franziska Liebhardt hat sich in zwei Jahren Leverkusen in der Weltspitze etabliert. Sie Weltrekorlerin mit der Kugel. Hier erfahrt Ihr die Ziele der 34jährigen.

Franziska Liebhardt. Foto: Axel Kohring (beautiful sports)

Wenn Franziska Liebhardt nach Rio de Janeiro zu ihren ersten Paralympics fliegt, hat sie zwei Ziele, die sie in dieser Reihenfolge nennt: „Nichtsportlich gesehen möchte ich die erhöhte Aufmerksamkeit nutzen, um zu zeigen, was man dank einer Organspende erreichen kann. Sportlich gesehen möchte ich in beiden Disziplinen unter die Top 5 kommen, vielleicht auch eine Medaille, am besten mit persönlicher Bestleistung.“

Beide Disziplinen, das sind das Kugelstoßen und der Weitsprung, eine ungewöhnliche Kombination. Alles mit Schnellkraft kann Liebhardt gut, alles mit Technik macht ihr Spaß. Wäre der Siebenkampf paralympisch, sie wäre eine Kandidatin für die vorderen Plätze. Um sich nur noch auf das Kugelstoßen zu konzentrieren, wollte sie eigentlich vor zwei Jahren mit dem Weitsprung aufhören. Doch weil sie auch da relativ weit vorne landen kann, überredete sie Bundestrainer Willi Gernemann, den Weitsprung weiterzumachen, auch wenn der Schwerpunkt klar auf der Kugel liegen sollte. „Es ist mittlerweile halt so, dass ich für Weitsprung zu schwer bin und für Kugel zu leicht“, sagt die 34-Jährige und lacht. Zehn Kilo habe sie zugelegt, „aber mit der Muskelmasse kommt ja auch Kraft dazu.“

Im Kugelstoßen ist sie Weltrekordhalterin mit 13,82 Metern, im Weitsprung mit 4,73 Metern hält sie den Deutschen Rekord. Bei der WM 2015 brachte ihr das jeweils Silber, bei der EM 2016 konnte sie die Medaille im Kugelstoßen zusätzlich sogar vergolden.

Die Kinderphysiotherapeutin geht die Spiele optimistisch an, auch wenn sie dieses Jahr einen Ermüdungsbruch im Becken hatte und auch sonst ein paar kleinere Verletzungen. Seit sie bei Steffi Nerius trainiert, hat sie ihre Bestleistung von 10,90 Metern aus kontinuierlich gesteigert, in Rio könnte möglicherweise die 14-Meter-Marke geknackt werden. „Die letzten Wochen waren hart, im Hinblick auf die Paralympics wird es nun entspannter im Training. Ich bin fit“, sagt Liebhardt, die realistische Medaillenchancen hat, die durch den Ausschluss von Russland noch besser werden würden.

Auch wenn sie befürchtet, dass bei den Paralympics noch weniger Zuschauer sein könnten als bei Olympia, freut sie sich auf ihre ersten Spiele: „Die Brasilianer scheinen ein gut gelauntes Völkchen zu sein. Ich war noch nie in Südamerika, das werden bestimmt spannende Begegnungen.“

Die Medienanfragen seien mehr geworden, Liebhardt will das erhöhte Interesse an ihrer Person nutzen, um auf ihre „Herzenssache“ hinzuweisen, für die sie sich seit einigen Jahren einsetzt: Organspende. 2005 wurde eine Autoimmunerkrankung bei ihr diagnostiziert, eine Nieren- und eine Lungentransplantation ermöglichten es ihr, weiterzuleben. „Ich möchte das gar nicht groß aufbauschen. Aber das Bild der Organspende ist nicht so positiv behaftet in Deutschland, dem möchte ich entgegenwirken. Wenn nur zehn Leute einen Spenderausweis ausfüllen, hat sich das schon gelohnt, da denke ich in kleinen Schritten.“

Sport sei auch nach einer Transplantation ein gutes Mittel, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. Und weil sie für andere Sportlerinnen, die eine Organtransplantation hatten, zu gut war, suchte sie den Wettkampf bei den Paralympics, was dadurch möglich wurde, dass ihre rechte Körperhälfte durch einen Schlaganfall teils spastisch gelähmt ist. „Deshalb nennen mich in der Trainingsgruppe alle Dinosaurierhand, aber natürlich nett gemeint“, sagt Liebhardt und lacht wieder.

Liebhardt ist die Vorfreude auf die Paralympics anzumerken. Und auch wenn sie als Mitfavoritin nach Rio reist, sagt sie:

 

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