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Comebacker Schrapp: „Ein Geschenk, wieder mitzuspielen“

Mo, 29.08.2016

Comebacker Schrapp: „Ein Geschenk, wieder mitzuspielen“

Eigentlich hatte Jürgen Schrapp seine Karriere mit dem größten Erfolg beendet. 2012 in London war das, die deutsche Sitzvolleyballmannschaft holte sensationell Bronze, die erste Paralympics-Medaille seiner Sportlerkarriere. Schrapp war Kapitän und Leistungsträger. Auf dem Höhepunkt gab er seinen Rücktritt bekannt.

„Ich hatte eineinhalb Jahre überhaupt nicht mehr gespielt“, sagt der 41-Jährige. Doch dann fehlten ihm das Zusammensein mit der Mannschaft, der Teamgedanke, der Spaß am Sport. „Also habe ich im Verein wieder angefangen und dem Bundestrainer gesagt: Wenn ich helfen kann, bin ich gerne wieder dabei.“

Das war Ende 2014 und Schrapp, der zu dem Zeitpunkt fünf Paralympics-Teilnahmen und rund 20 Jahre als Kapitän vorzuweisen hatte, 15-facher Deutscher Meister mit Bayer Leverkusen war und diverse internationale Silber- und Bronzemedaillen im Verein und mit der Nationalmannschaft gewonnen hatte, setzte sich ohne zu Murren auf die Bank.

„Das war ein Geschenk, wieder mitzuspielen, das wollte ich nicht wegschmeißen. Ich bin jetzt fast 42, da muss ich mir einiges zurückerarbeiten, was verloren gegangen ist. Mir geht es darum, dass die Mannschaft Erfolg hat, ob ich auf dem Feld bin oder nicht, ist mir mittlerweile nicht mehr so wichtig.“

Doch nachdem er als Ergänzungsspieler mit der Nationalmannschaft im vergangenen Jahr überraschend Silber bei der Heim-Europameisterschaft in Warendorf gewinnen konnte, zählt Schrapp mittlerweile wieder auf seiner alten Position zur Stamm-Sechs. Nur die Kapitänsbinde trägt er nicht mehr: „Das habe ich von Anfang an kategorisch ausgeschlossen. Aber es fühlt sich gut an, wieder Stammspieler zu sein.“

Auf dem Weg nach Rio ist Schrapp mit der Nationalmannschaft wieder viel unterwegs. Vergangene Woche ging es bei einem Turnier in Sarajevo gegen Paralympics-Gastgeber und Vize-Weltmeister Brasilien und Ägypten, die neben den USA in Rio Vorrundengegner sein werden. Beide Spiele gewannen die deutschen Sitzvolleyballer. „Das war eine gute Standortbestimmung“, sagt Schrapp: „Bis auf Weltmeister Bosnien-Herzegowina sind im Turnier alle Teams eng beisammen. Außer vielleicht die USA, die sollte jeder in unserer Gruppe schlagen können.“

Zur Vorbereitung steht ein weiteres Turnier im Iran an, ein gemeinsames Trainingslager mit den Brasilianern in Tailfingen und der Zühlsdorf-Cup in Leverkusen vom 15. bis 17. Juli, bei dem es gegen China und den Iran geht. „Wir sind auf einem guten Weg. Sollten wir bis Rio verletzungsfrei bleiben, haben wir Medaillenchancen. Unser Ziel ist das Halbfinale – und dann eine Medaille.“

Vom Turnier selbst erwartet Schrapp, dass der Austragungsort Rio ein ganz besonderer sein wird: „Volleyball ist in Brasilien die wichtigste Sportart nach Fußball. Daher wird auch am Sitzvolleyball das Zuschauerinteresse vermutlich sehr hoch sein.“

Ob er nach den Paralympics dann zum zweiten Mal seine Karriere beendet, lässt Schrapp, der sich auch einen Wechsel in den Trainerbereich vorstellen kann, dieses Mal offen. „Ich habe gelernt, dass ich das Niemals-Wort nicht mehr aussprechen sollte“, sagt er und lacht: „Aber ab Sommer werde ich beruflich in der Schweiz sein und da gibt es noch keine Möglichkeit, Sitzvolleyball zu spielen. Das wäre auch schwierig zu vereinbaren mit Frau und Kindern.“

Schrapps Führungsqualitäten sind nämlich auch im Beruf gefragt. Seit 2013 ist er bei Bayer verantwortlich für den Rohstoffeinkauf weltweit, zuvor war er in verschiedenen Führungsrollen beim Konzern tätig. Ob das mit dem Volleyball zu tun hat? „Sport und Karriere sind bei mir zwei verschiedene Dinge. 1994 bin ich für eine Ausbildung bei Bayer nach Leverkusen gezogen, da war der Sport sicher ein Türöffner und ein nettes Nebenprodukt. Aber danach lief das alles getrennt voneinander. Natürlich nutzen mir die Eigenschaften und das Menschliche, das ich im Sport gelernt habe, auch im Beruf.“

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